Handelskammer Hamburg 2006

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Paul Merten GmbH

Rettungsring „International“

Das Produkt

Wenn er an Bord ist, fühlen sich auch erfahrene Seeleute sicherer. Die rot-weiß gestreiften Rettungsringe des Typs „International“ der Paul Merten GmbH gehören seit 1938 fest zur Ausrüstung vieler deutscher Schiffe.

„Mann über Bord“ lautet das Stichwort für den Einsatz der runden Retter. Sie sind die Oldtimer unter den Rettungsmitteln, sagt Geschäftsführer Ralf-Thomas Rapp. Er und sein Team fertigen bundesweit als einziges Unternehmen noch Rettungsringe selbst. Sie sind etwa 75 mal 45 Zentimeter groß und müssen mindestens zweieinhalb Kilogramm wiegen, damit sie gezielt zu den Opfern geworfen werden können. Diese Standards schreibt das Internationale Übereinkommen zum Schutz des menschlichen Lebens auf See („Solas“) vor. Die Konvention regelt alle Aspekte der Sicherheit an Bord – von der Besatzung, dem Sicherheitsmanagement, der Technik, der Ladung bis hin zu den Rettungsmitteln.

Vor allem deutsche Schiffsausrüster setzen auf die Retter aus Rellingen. Sie entstehen traditionell in Handarbeit. Ein Kern aus Eisen wird zunächst mit einem Spezialgewebe umhüllt. In diesen Schlauch wandert Styroporschnee. Er sorgt für den lebenswichtigen Auftrieb. In einer Dampfpresse erhält er seine charakteristische Form und die nötige Stabilität, dann nähen Mitarbeiter „Belegbänder“ auf. Sie helfen Schiffbrüchigen dabei, den Rettungsring im Ernstfall schneller zu greifen.

Schließlich färbt ihn das Team in der Farbe, die für das spätere Einsatzgebiet vorgeschrieben ist. „Rot-Weiß ist die urtraditionelle Farbe, die damals den größten Kontrast darstellte“, erklärt Rapp, „aber eigentlich ist das Rot zu dunkel und das Weiß zu hell“. Besser geeignet seien Farben wie ein grelles Orange. Diese kommen heute zwar auch zum Einsatz, die klassischen Farben seien jedoch am häufigsten auf Schiffen und Yachten zu sehen.

Die Ringe aus Rellingen versehen zwischen zwei und 15 Jahre lang ihren Dienst – je nach Lager- und Einsatzort. Billigere, in Massenfertigung produzierte Ringe könnten da nicht mithalten, sagt Rapp: „Sie saugen Wasser auf und brechen irgendwann.“

Die Geschichte

Den Grundstein für das Unternehmen legte im Jahr 1896 Kapitän Paul Merten. 1934 verkaufte er es an Gustav Hoffmann, um wieder zur See fahren zu können. Der neue Inhaber zog mit dem Betrieb in Produktionsräume an der Admiralitätsstraße. Damals bestanden die Rettungsringe vor allem aus Kork. Arbeiter weichten ihn in einem großen Becken im Keller der Fabrik ein, um ihn biegsam zu machen. Danach befestigten sie die Streifen mit Hilfe von Holzkeilen an einem Eisenring und raspelten den Rohling in Form. Näherinnen verpassten den Ringen einen Bezug, Belegbänder und Greifleinen. 1952 produzierte Hoffmann als erster Hersteller Rettungsringe aus Styropor.

Das Unternehmen

Rund 10000 Rettungsringe verlassen den Betrieb jährlich. Etwa ein Drittel der Produktion verschickt Ralf-Thomas Rapp an Kunden in Schweden, Finnland, Großbritannien und Dänemark. Insgesamt arbeiten zehn feste Mitarbeiter für das Unternehmen. „Trotz der stärker werdenden Konkurrenz von Billiganbietern ist der Absatz seit Jahren stabil“, sagt Rapp.

Katrin Pliszka
redaktion@hamburger-wirtschaft.de
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hamburger wirtschaft, Ausgabe Oktober 2006