Handelskammer Hamburg 2007

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Standortpolitik

Industrie bedeutet Fleiß

Hamburg ist einer der wichtigsten Industriestandorte Deutschlands. Nirgendwo sonst ist die Industrie so stadtnah mit dem täglichen Leben verwoben wie hier in Hamburg. Die Industrie ist ein verlässlicher Arbeitgeber und sichert unseren Standort mit hohen Investitionen und einer überdurchschnittlichen Ausbildungsleistung. Damit entspricht die Industrie dem, was ihre lateinische Bezeichnung bedeutet: Sie ist fleißig – und dadurch eine tragende Säule der Wirtschaftskraft Hamburgs. Durch ihren Fleiß sichert sie nicht nur sich selbst, sondern auch Andere: Ein Arbeitsplatz in der Industrie garantiert mehr als das Doppelte an Arbeitsplätzen in Zulieferbetrieben und bei industriellen Dienstleistern.

Doch ist dieser Fleiß in der Vergangenheit ein wenig in den Hintergrund gedrängt worden. Viel zu oft wurden Visionen von einer „postindustriellen Dienstleistungsgesellschaft“ gepflegt. Dabei tritt die „Renaissance“ gerade in Hamburg und Norddeutschland offen zu Tage: Jüngste Erfolge wie die Großinvestitionen an Chemie- und Energiestandorten in Niedersachsen, die Wiederaufnahme der Aluminiumproduktion in Hamburg oder das arbeitsplatzintensive Wachstum in der Luftfahrtindustrie sowie die beträchtlichen Wachstumsraten in den Erneuerbaren Energien zeigen deutlich, dass das Produzierende Gewerbe gerade in Norddeutschland nach wie vor einer der wichtigen Konjunktur- und Arbeitsmarktmotoren ist.

Vor diesem Hintergrund ist es notwendig, die Rolle der Industrie wieder in den Vordergrund zu rücken. Zweimal ist unsere Handelskammer in den vergangenen acht Wochen entscheidend dafür eingetreten. Mitte Juli stellte die IHK Nord, eine Arbeitsgemeinschaft von 14 Industrie- und Handelskammern in Norddeutschland, ein Positionspapier zur Industrie vor. Das Papier „Politik für eine starke Industrie in Norddeutschland“ verdeutlicht die Stärken der Industrie in Norddeutschland. Norddeutsche Kernbranchen wie die Automobil-, die Nahrungs- und Genussmittel-, Luft- und Raumfahrtindustrie sowie der Schiffbau stellen die sichtbarsten Stärken dar.

Ende August haben der IVH – INDUSTRIEVERBAND HAMBURG E. V., der Hamburger Senat und unsere Handelskammer den gemeinsam erarbeiteten „Masterplan Industrie“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Zum ersten Mal haben sich damit Industrie und Politik in Hamburg auf einen verbindlichen Ziel- und Maßnahmenkatalog für die nächsten Jahre geeinigt, dessen Ergebnisse mess- und überprüfbar sind. Damit setzt Hamburg bundesweit Maßstäbe.

Die Bedürfnisse der Industrie nach langfristigen und verlässlichen Rahmenbedingungen brauchen eine größere Wahrnehmung als bisher, in der Politik wie auch in der Öffentlichkeit. Es ist aber auch die Industrie selbst gefragt, aktiv gegen ein stereotypes Image anzugehen. Die Grundlagen dafür sind längst gelegt: Zum Beispiel haben unter dem Dach der Hamburger Umweltpartnerschaft über 1200 Betriebe freiwillig über 60000 Tonnen CO2-Emissionen eingespart. Hamburgs Industrieunternehmen stehen heute für Hochtechnologie und weltweit nachgefragte Produkte. Keine andere Branche baut für so viele und vielfältige Schulabgänger die Brücke in die Arbeitswelt.

Damit diese Anstrengungen auch fortgeführt werden können, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Die Industrie benötigt in ausreichendem Maße Flächen, eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur, einen effizient organisierten Technologietransfer, Bürokratieabbau, Energie zu wettbewerbsfähigen Preisen und einen Gewerbesteuerhebesatz, der im Zuge der Unternehmenssteuerreform gesenkt werden muss, um die steuerliche Belastung im Rahmen zu halten. Die Industrie ist bereit, ihren Beitrag für das Gelingen des Masterplans Industrie zu leisten. Funktionieren kann er aber nur mit viel industria, mit viel Fleiß also. Und Hamburg funktioniert nur mit Industrie.

*Industrie, lat. industria: Betriebsamkeit, Fleiß

Dr. Werner Marnette
Vizepräses der Handelskammer Hamburg

hamburger wirtschaft, Ausgabe September 2007