Handelskammer Hamburg 2007

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Interview: Harald Neuhaus

„Mitwirkung und Einflußnahme“

Die hamburger wirtschaft sprach mit dem ehemaligen Plenarmitglied Harald Neuhaus über wirtschaftliche Selbstverwaltung und sein Engagement für den Standort Hamburg.

hamburger wirtschaft: Heute heißt es, Zeit ist Geld. Wieso lohnt es sich für Unternehmer, Zeit für ein Ehrenamt aufzuwenden?

Harald Neuhaus: Natürlich ist mit ehrenamtlichen Aufgaben auch Zeitaufwand verbunden. Rückblickend über die Jahre gesehen ziehe ich einen positiven Saldo. Das, was ich gelernt, erfahren und an neuen Informationen und Eindrücken gewonnen habe, ist für die aufgewendete Zeit ein guter Gegenwert.

hw: Wie haben Sie ehrenamtliches Engagement und Ihr Unternehmen unter einen Hut bekommen?

Neuhaus: Die Mitgliedschaft in einem Ausschuss ist noch keine Vollzeittätigkeit. Allerdings habe ich auch Aufgaben übernommen, die mit größerem Zeitaufwand verbunden waren. Wenn man bereits mehrere ehrenamtliche Aufgaben wahrgenommen hat, verfügt man über Vorerfahrungen, die auch in anderen Bereichen hilfreich sind. So habe ich mehr als ein Dutzend Ämter gleichzeitig bekleidet, ohne dadurch überfordert zu sein – nicht alle Funktionen dieser Art sind mit permanenter Inanspruchnahme verbunden. Gelegentlich musste ich das, was ich von meiner normalen Arbeits-zeit an Zeit für Ehren- und Nebenämter verwendet habe, durch Nacharbeit ausgleichen.

hw: Was hat Sie bewogen, sich ehrenamtlich zu engagieren?

Neuhaus: Ursprünglich geschah dies nicht aus eigener Initiative. Ich hatte auf Anregung meines Fachverbandes in der Einzelhandelsorganisation schon einige Jahre ehrenamtliche Aufgaben insbesondere in der Tarifpolitik wahrgenommen. Im Jahre 1969 stimmte ich einer Nominierung für den Handelsausschluss der Handelskammer Hamburg zu und wurde berufen. Die Mitarbeit dort war so interessant und auch über das unmittelbar Fachliche und Berufliche hinaus so bereichernd, dass ich einem späteren Ruf für eine Kandidatur fürs Plenum gefolgt bin. Ich hatte mich nur bereiterklärt, zu kandidieren, weil es ab 1981 wirklich demokratische Plenarwahlen gab. Vor 1981 war die vordemokratische Epoche, in der eine demokratische Repräsentanz nicht gewährleistet war. Es gab vor 1981 keine echte Wahlentscheidung der Wahlberechtigten. Meist wurde in den Verbandsbüros über die Ämterverteilung beschieden. Heute, gemäß der aktuellen Wahlordnung, benennen die wahlgruppenzugehörigen Wirtschaftsbereiche die Kandidaten. Auch verbandsunabhängige Kandidaturen sind möglich. Die Kandidaten werden auf die Liste ihrer Wahlgruppe gesetzt, dann wird gewählt, und das Ergebnis entscheidet, wer in das Plenum einzieht.

hw: Und wie ist die Wahlbeteiligung?

Neuhaus: Die Wahlbeteiligung ist leider immer noch zu gering. Viele Unternehmen nehmen nicht wahr, welchen Wert die Mitwirkung in den Gremien der Kammer hat und dass auch das Serviceangebot der Kammer für die Unternehmen in den verschiedensten Gebieten von Nutzen ist.

hw: Wie überzeugen Sie einen Unternehmer, dass seine Stimme für die Plenarwahl zählt?

Neuhaus: Die Institution, die die gesamtwirtschaftliche Vertretung gegenüber der Politik zu leisten hat, muss eine möglichst hohe demokratische Legitimationsrate erreichen. Wer nicht wählt, bewirkt gar nichts. Die Arbeit, den Wahlzettel zu markieren, nimmt wenige Minuten. Wer sein Wahlrecht nicht ausübt, hat etwas verschenkt. Die Nichtwähler, die überwiegend zu den Klein- und Kleinstbetrieben gehören, nehmen nicht wahr, dass ihre Stimme genauso viel wiegt wie die eines Großunternehmens. Das demokratische Prinzip „ein Unternehmen, eine Stimme“ wird in den Plenarwahlen konsequent durchgehalten. Gerade die kleinen und Kleinstunternehmen hätten durch die große Zahl ihrer Stimmen viel größere Wirkungsmöglichkeiten.

hw: Ist es aus Ihrer Sicht wichtig, dass Unternehmer qua Gesetz Mitglied in der Handelskammer sind?

Neuhaus: Nur eine Institution, der alle, für die sie spricht, angehören, hat die Legitimation, sich zu äußern. Das Gewicht der Aussage der Kammer ist nur erklärbar aus ihrem Status als Gesamtvertretung der Wirtschaft. Wenn es eine freiwillige Mitgliedschaft gäbe, könnte die Kammer nie sagen: Wir vertreten die Wirtschaft.

hw: Was bedeutet es für Sie, sich in der Handelskammer Hamburg zu engagieren?

Neuhaus: Ich fühle mich meiner Vaterstadt verbunden. Zu den bedeutenden Einrichtungen der Freien und Hansestadt Hamburg gehört auch die Handelskammer. Das ist nicht irgendein Verein, das ist eine prägende Institution, die sich über Jahrhunderte für die Angelegenheiten der Stadt Hamburg im Allgemeinen und der Wirtschaft im Besonderen eingesetzt hat. Die Kammer muss man deshalb anders sehen als sonstige Verbände oder Vereine.

hw: Worum geht es Ihnen genau bei Ihrem Engagement?

Neuhaus: Zum einen um die Mitwirkung bei der Gestaltung und Willensbildung bei der Kammerarbeit. Es ist nicht ohne Bedeutung, wie die Kammer ihren Willen bildet, wenn sie nach außen hin Erklärungen abgibt. Sicherlich arbeitet das Hauptamt sehr effektiv, aber letztlich muss das, was die Kammer nach außen sagt, legitimiert werden durch die Unternehmen. Die Mitglieder der Handelskammer sind nicht die Damen und Herren, die in dem Gebäude der Börse arbeiten. Die Unternehmen sind die Mitglieder! Der entscheidende Wille muss von den Unternehmen gebildet werden. Zum anderen eröffnete mir das Ehrenamt viele Informationsquellen, die ich sonst wohl nicht wahrgenommen hätte. Im Ehrenamt der Kammer hatte ich zudem viele Begegnungen mit interessanten Menschen, die mir wohl sonst für immer fremd geblieben wären.

hw: An welche Aspekte Ihrer Kammerarbeit erinnern Sie sich besonders gern?

Neuhaus: Was mich rückblickend das Ganze auch positiv beurteilen lässt, ist die große Vielfalt der Kammerarbeit. Ich bin jemand, der offen in die Welt blickt. Einen solchen Strauß von Angeboten an Mitwirkung, an Informationen, an Einflussnahmen, an interessanten Kontakten, den genieße ich auch.

Katrin Meyer
katrin.meyer@hk24.de
Telefon 36 13 8 329

Infos und Kontakte

Seit 38 Jahren ist Harald Neuhaus ehrenamtlich in den Gremien der Handelskammer Hamburg aktiv. Im Jahr 1969 wurde er in den Handelsausschuss berufen, dem er 33 Jahre angehört hat. Ab 1981 war er 24 Jahre Mitglied des Plenums, wo er sich fundiert und kritisch zu Wort meldete. Von 1983 bis 2001 leitete Neuhaus als Sprecher der Arbeitgebergruppe und alternierender Vorsitzender den Berufsbildungsausschuss. Aktuell engagiert er sich im Arbeitskreis Wirtschaftsschutz, im Bildungsausschuss und gehört dem Schlichtungsausschuss zur Beilegung von Streitigkeiten aus Berufsausbildungsverhältnissen an. Harald Neuhaus wurde mehrfach für sein ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet.

hamburger wirtschaft, Ausgabe September 2007