Handelskammer Hamburg 2007

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Hausboote

Der Hafen geht vor

So verlockend die Pläne zur Besiedlung Hamburger Kanäle mit schwimmenden Häusern auch sind: Die Expansion des Hafens soll dadurch nicht beeinträchtigt werden.

Zehn Hausboot-Besitzer können sich an einem der begehrten Liegeplätze im Eilbekkanal im nächsten Jahr ihren Traum vom individuellen Wohnen auf dem Wasser erfüllen. Ein weiteres Pilotprojekt der Stadtentwicklungsbehörde ist das Hochwasserbassin am Berliner Bogen in Hammberbrook. Hier wird das wassernahe Wohnen für 18 Lieger Wirklichkeit. Während die Infrastruktur am Eilbekkanal bereits vorhanden ist, muss das Gebiet in Hammerbrook noch vollständig erschlossen werden. Dieses Ziel bis 2008 umzusetzen, ist Aufgabe eines Investorenkonsortiums, der Bauträger Walch (Österreich) und Paulsen (Bremervörde) sowie der Netzwerkarchitekten und der Architekten Förster Trabitzsch.

„Mit den schwimmenden Häusern entsteht ein neues städtebauliches Element, welches Hamburgs Flair als Stadt am Wasser um eine maritime Facette reicher macht“, so die Vision der Hamburger Architekten Förster Trabitzsch, die 2006 den von der Stadt ausgeschriebenen Wettbewerb zum Entwurf eines Hausbootes gewonnen haben. Ein 225 Quadratmeter großes, 500000 Euro teures Exemplar liegt derzeit im Hamburger Sportboothafen. Ginge es nach den innovativen Architekten, würden sich neben den „Floating Homes“ Wassertaxis, schwimmende Cafés, schwimmende Märkte und schwimmende Läden auf Hamburgs Kanälen tummeln. Ein „Venedig des Nordens“ eben. Doch dass an anderen 16 potenziellen Standorten privates Wohnen tatsächlich möglich wird, ist unwahrscheinlich – und für viele auch unerschwinglich.

Während sich die Hausbootnutzer im Eilbekkanal und am Victoria-Kai-Ufer nur mit den Sportvereinen einigen müssen, stehen im Bezirk Mitte die wirtschaftlichen Interessen des Hafens im Vordergrund. Hier gelten die Hafenverkehrsordnung und das Hafenentwicklungsgesetz, privates Wohnen im Freihafen und vor Schleusen ist verboten. „Die Expansion des Hafens muss natürlich gewährleistet bleiben. Der Hafen geht vor“, findet auch Hausboot-Lotse Andreas Lange, dem schon mehr als 400 Anträge von Hausboot-Liebhabern vorliegen.

„Das Thema wird kommen, fraglich ist nur, in welchem Umfang“, erklärt Architekt Olaf Schlack dennoch zuversichtlich. Er und sein Kollege Bernd Müller gründeten zusammen mit Johannes Peeters und Jörg Kieseleit vor einem Jahr die Firma Wohnboot Ltd. Den Kontakt zu einem holländischen Hausbootbauer stellte Kaufmann und Vertriebschef Johannes Peeters her. Da die Hausboote schon existieren, fallen hohe Entwicklungskosten weg. Das kleinste Modell mit 130 Quadratmetern gibt es daher schon für 250000 Euro. „Das Problem ist, dass es im Umgang mit Bauten auf dem Wasser noch keine Routine gibt. Bei schwimmenden Häusern greift die Bauordnung nicht. Es gibt keinen Grundbucheintrag, folglich auch keine Adresse, und ohne Adresse kann kein Anschluss gelegt werden“, beschreibt Olaf Schlack die behördlichen Hemmnisse und beteuert gleichzeitig optimistisch: „Aber der politische Wille ist da und das Interesse groß.“

Leichter hat es Matthias Kattein. Er besitzt bereits ein Wassergrundstück, hinter der Schleuse im Billebecken am Hammer Deich. Eine Kaimauer ist vorhanden und die entsprechende Infrastruktur auch. „Das Auto kann man direkt vor der Tür parken und ein privates Boot noch neben das Hausboot legen“, schwärmt er und ergänzt: „Außerdem ist man mit dem Bus in zehn Minuten am Hauptbahnhof.“ Matthias Kattein, dessen Eltern auf dem Grundstück eine Reederei betrieben haben, will Eigentümer bleiben und das exklusive Domizil in Südlage an Freiberufler vermieten. Momentan jedoch wartet er noch auf die Entwürfe.

Wie charmant und facettenreich das Leben auf der Elbe sein kann, zeigt sich im Spreehafen auf der Veddel, wo Jan Peters seine selbst restaurierten zwölf Lieger an Architekten und verschiedene Gewerbebetriebe wie eine Druckerei und eine Schiffszimmerei vermietet. Neu im Angebot ist die 120 Quadratmeter große, ehemalige dänische Autofähre „Jacob“, die mit japanischen Schiebe-Elementen ausgestattet ist. Während sich die „Floating Homes“ aus Stahlbeton nur mithilfe eines Schleppers bewegen lassen, können sich die bewohnbaren Boote von Jan Peters auch alleine fortbewegen. „Die ursprüngliche Romantik eines Hausbootes besteht doch gerade in seiner Mobilität“, lautet Peters’ Überzeugung. Für seine Wasser liebende Kundschaft hat er im „Sehhafen“ extra einen Ponton-Park mit schwimmendem Garten angelegt.

Auf den fahrenden Zug aufspringen will auch das Hotel Mercure. Im Mittelkanal in Hamm-Süd plant Geschäftsführer Bernd Mensing die „Floating Conference“, ein schwimmendes Café mit Konferenzsaal. Die Eröffnung ist für das erste Quartal 2008 geplant. „Ein so unkompliziertes Projekt haben wir selten erlebt. Wir bekommen von allen Seiten vollste Unterstützung für unser Vorhaben“, freut sich der Hotelchef.

Petra Schreiber
redaktion@hamburger-wirtschaft.de
Telefon 36 13 8 305

hamburger wirtschaft, Ausgabe September 2007