Handelskammer Hamburg 2007

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Serie: Elblabor

Gehobene Klasse

Wenn es darum geht, Paletten, Fässer, Strohballen oder Getränkekisten zu bewegen, kommen nicht selten Gabelstapler aus dem Hause Still zum Einsatz. Doch die Hamburger können weitaus mehr als Lasten aufgabeln.

Eigentlich hat sich im Laufe der Jahre gar nichts verändert. Zumindest nicht in der Welt der Gabelstapler. Die hebenden Helfer tun noch immer dasselbe wie eh und je: Lasten heben. Eigentlich. Doch der Unterschied steckt im Detail. Heutige Stapler verbrauchen weitaus weniger Sprit, gewinnen teils sogar Bremsenergie zurück und verursachen somit weitaus weniger klimaschädliche Gase. Ferner bieten sie ihrem Fahrer weitaus mehr Komfort und Sicherheit und: Sie wissen oft sogar wesentlich mehr als ihr Pilot.

Was die Hochstapler im Detail so alles drauf haben, zeigt ein Besuch bei Still in Billbrook. Der Innovationsdrang der Ingenieure ist den Lasteseln förmlich anzusehen: Futuristische Formen, knallige Farben, große Farbbildschirme und Joysticks im Cockpit. Die Gabelstapler baut Still nach verschiedenen Konzepten, je nach Anwendung. Halle oder draußen? Große oder kleine Lasten? Für die Halle kommen entweder Gas- oder Elektrostapler infrage. Draußen sind es meist Diesel. Doch das ist nur der Energielieferant. Angetrieben werden die fahrenden Gewichtheber allesamt von Elektromotoren. Die Gas- und Dieselaggregate liefern dabei lediglich Strom – indem sie einen Generator antreiben. Hybride nennt man solche Fahrzeuge. Einige Stapler können sogar beides. Im Außenbereich, wie auf dem Hamburger Flughafen, fahren sie mit Dieselantrieb, in der Halle schalten sie auf Elektro um.

Relativ neu sind die sogenannten Vollhybrid-Fahrzeuge. Sie gewinnen Bremsenergie zurück und speichern diese in Form von Strom in Batterien. In Zukunft werden hier auch andere Speichermedien genutzt. Welche, behalten die Still-Ingenieure aber vorerst noch für sich. Worüber Bert Frisch, Leiter der Unternehmenskommunikation, schon heute spricht, sind die Bemühungen, Brennstoffzellen statt Gas- und Dieselmotoren einzusetzen: „Auf dem Hamburger Flughafen fahren bereits zwei Prototypen.“ Die beiden Schlepper transportieren Gepäck und verursachen dabei keinerlei klimaschädliche Emissionen. Auf diversen Messen hat Still bereits weitere Forschungsfahrzeuge präsentiert. Die Brennstoffzellen-Technologie ist für die Hamburger besonders interessant, denn das einzige, was für die Fahrzeuge neu ist, ist das Aggregat, das den Strom erzeugt: die Brennstoffzelle. Alles andere bleibt beim Alten. Heißt, die gesamte Antriebseinheit, die Hydraulik fürs Heben, Schwenken und Senken bleiben wie gehabt.

Was sich im Laufe der Jahre markant verändert hat, sind der Treibstoffverbrauch und die Emissionen. Durch technische Neuerungen konnte beides reduziert werden. So läuft die Hydraulikpumpe heute nicht mehr permanent mit, sondern nur, wenn auch Druck gefordert wird. So konnte der Verbrauch der Diesel-Stapler halbiert werden. Still hält sogar einen Weltrekord. Nicht im Gewichtheben, sondern in der Disziplin Effizienz. Der Diesel-Stapler RX 70 braucht je Stunde nur 2,5 Liter Treibstoff. „Wir haben so ein bisschen einen Umweltfimmel“, sagt Frisch nordisch zurückhaltend.

Neu sind auch die Entwicklungen von Leitsystemen. So verraten im Boden versteckte RFID-Chips dem Stapler stets, wo er ist. Das System erklärt dem Fahrer dann den schnellsten Weg zum Ziel. Neu ist auch die Art und Weise, wie Kunden die Maschinen heute erwerben. Wurde früher noch hauptsächlich gekauft, so mieten oder leasen heute viele ihre Geräte. Und das inklusive Wartungsverträgen und Reparaturservice. „Wir sorgen dafür, dass die Stapler immer funktionieren“, sagt Bert Frisch.

Am Hamburger Standort, dem Hauptsitz des Unternehmens, entwickeln, konstruieren und fertigen rund 2500 Still-Mitarbeiter sogenannte Gegengewichts-Stapler. So werden die Geräte definiert, die vor der Gabel keine Räder haben. Insgesamt verlassen jährlich 15000 Fahrzeuge die Werkstore in Billbrook. Im Reutlinger Werk montieren 480 Mitarbeiter sogenannte Schubmaststapler. Das sind Fahrzeuge, wie sie etwa zum Bestücken von Hochregalen eingesetzt werden. Weitere Werke sind in Südamerika. Weltweit arbeiten 6000 Angestellte für Still. In 2006 produzierten sie 35000 Fahrzeuge und erzielten einen Umsatz von knapp 2,9 Milliarden Euro.

Alles beim Alten geblieben ist eigentlich nur bei einem Produkt: dem guten alten Hubwagen. Hier wird nach wie vor von Hand gepumpt.

Daniel Hautmann
redaktion@hamburger-wirtschaft.de
Telefon 36 13 8 305

hamburger wirtschaft, Ausgabe September 2007