Handelskammer Hamburg 2007

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Technologiebarometer

Bei vielen Patenten ganz vorne

In welchen Bereichen ist die Hansestadt Vorreiter in Deutschland? Wer sind Hamburgs Wettbewerber in diesen Technologien? Darüber gibt das Technologiebarometer des Innovations- und Patent-Centrums (IPC) der Handelskammer jeden Monat Auskunft.

Patente sind der früheste sichtbare Output von Forschungs- und Entwicklungsarbeiten. Sie werden bereits angemeldet, wenn erste Forschungsergebnisse vorliegen, in der Regel also deutlich vor der Markteinführung neuer Produkte. Da die Anmeldung von Patenten mit nicht unerheblichen Kosten verbunden ist, deuten Patente auch darauf hin, dass der Anmelder sich mit der geschützten Erfindung wirtschaftliche Vorteile verspricht. Damit können systematische Analysen von Patentanmeldungen als Frühwarnsystem im Innovationsmanagement effektiv genutzt werden.

Unser IPC führt diese Untersuchungen monatlich durch. Dazu werden die rund 20000 monatlich neu veröffentlichten Patentanmeldungen des Europäischen Patentamtes und des Deutschen Patent und Markenamtes ausgewertet. Hieraus lassen sich Aussagen zu weltweiten, nationalen und regionalen Trends ableiten. Die meisten Patentanmeldungen wurden im Juni weltweit, wie in den Vormonaten, für „Präparate für medizinische, zahnärztliche oder kosmetische Zwecke (A61K)“, in Deutschland im Bereich „Fahrzeuge, Fahrzeugausstattung oder Fahrzeugteile (B60R)“ und in Hamburg ebenfalls für „Präparate für medizinische, zahnärztliche oder kosmetische Zwecke (A61K)“ veröffentlicht.

Von besonderem Interesse ist neben der Identifikation der patentaktivsten Technologiebereiche auch die Frage, in welchen Technologien Hamburger Unternehmen im Bundesvergleich besonders stark aufgestellt sind. Hierfür berechnen wir den Anteil der Hamburger Patentanmeldungen an allen deutschen Anmeldungen in einem Technologiebereich. Über alle Technologien gemittelt liegt der Hamburger Anteil an den deutschen Patentanmeldungen bei 2,2 Prozent. Dies entspricht in etwa auch dem Anteil Hamburgs an der deutschen Bevölkerung beziehungsweise dem Anteil Hamburgs am Bruttoinlandsprodukt der deutschen Industrie. Alle Bereiche, in denen dieser Anteil deutlich überschritten wird, zeigten demnach besondere technologische Stärken Hamburgs auf. Mit einem Patentanteil von rund 80 Prozent ist Hamburg am dominantesten bei Maschinen für die Herstellung von Zigarren und Zigaretten. Hier gibt es in Deutschland neben der Hauni Maschinenbau AG quasi keine Wettbewerber. Hauni beschäftigt sich allerdings nicht nur mit Maschinen für die Zigarettenherstellung, sondern hat auch ein Patent zur „rauchfreien Zigarette“ angemeldet und trägt damit der allgemeinen Diskussion zum Nichtraucherschutz Rechnung. Nicht verwunderlich ist der hohe Patentanteil Hamburgs bei Flugzeugen und Ausrüstungen für Flugzeuge. Hamburg ist bekanntermaßen durch Airbus und seine Zulieferunternehmen der drittgrößte zivile Luftfahrtstandort in der Welt. Der Hamburger Anteil an den deutschen Patentanmeldungen liegt in diesem Bereich bei knapp 50 Prozent. Die Anmeldungen umfassen nicht nur Erfindungen für Sitzsysteme oder Bremsklappen in Flugzeugen, sondern befassen sich zum Beispiel auch mit Brennstoffzellensystemen für die Versorgung von Luftfahrzeugen.

Auch bei Hub-, Verhol- oder Schubvorrichtungen, kurz Gabelstapler, verzeichnet Hamburg eine überdurchschnittliche Aktivität im Bereich Forschung und Entwicklung. Mit knapp 30 Prozent aller Patentanmeldungen aus Deutschland ist Hamburg das Flurförderzeugzentrum Deutschlands.

Bei Präparaten für medizinische, zahnärztliche oder kosmetische Zwecke und bei der Verwendung von Kosmetika oder ähnlichen Zubereitungen denkt man in Hamburg unweigerlich an die Beiersdorf AG. Platz 2 im Ranking der deutschen Patentanmelder in diesen Bereichen direkt hinter Henkel verdeutlicht die Anstrengungen der Beiersdorf AG. Damit rangiert Beiersdorf vor BASF, Wella, Merck oder Bayer, um nur einige zu nennen. Der gesamte Anteil Hamburgs und damit Beiersdorfs an den deutschen Patentanmeldungen in diesem Bereich beträgt stolze 25 Prozent. Eine weitere Stärke Hamburgs finden wir bei Klebstoffen und Klebeverfahren. Hier ist die Tesa AG in Hamburg aber auch bundesweit bei den Patentanmeldungen Spitze. Mit einem Patentanteil von 23 Prozent kann die Tesa AG Unternehmen wie BASF, Henkel, Degussa oder Bayer im Ranking hinter sich lassen.

Erfindungen zu Windkraftmaschinen gehören noch nicht zu den Top Ten der patentaktivsten Technologiebereiche in Hamburg. Hamburg hat aber schon heute einen weit überdurchschnittlichen Anteil an den deutschen Patentanmeldungen in diesem Bereich. 17 Prozent aller deutschen Anmeldungen stammen bereits aus Hamburg. Angeführt wird die Liste der Patentanmelder von der Hamburger Repower Systems AG, gefolgt von der Norderstedter Nordex AG.

Das vollständige Technologiebarometer mit mehr Informationen, unter anderem dem monatlichen Blick in die Glaskugel: „Technologien die morgen unser Leben verändern können“, finden Sie im Internet unter www.hk24.de/technologiebarometer.

Michael Kuckartz
michael.kuckartz@hk24.de
Telefon 36 13 8 249

hamburger wirtschaft, Ausgabe September 2007