Handelskammer Hamburg 2007

< zurück

E-Government

Digital spart Kapital

Hinter dem sperrigen Begriff E-Government verbirgt sich etwas höchst Sinnvolles. Die Digitalisierung von Prozessen hilft, die Verwaltung zu modernisieren und Kosten zu sparen. Doch viele Hamburger Unternehmen nutzen diese Angebote der Verwaltung noch zu wenig, so das Ergebnis einer aktuellen Handelskammer-Umfrage.

Nicht genug damit, dass 60 Prozent der Unternehmen, die sich an der Umfrage beteiligt haben, die elektronischen Angebote der Hamburger Verwaltung überhaupt nicht kennen. Beinahe alle diese Unternehmen würden eigentlich gerne E-Government-Angebote nutzen, wenn sie ausreichende Informationen über die Anwendungen besäßen. Hinzu kommt: Von den 40 Prozent, die E-Government-Angebote kennen, nutzen nur gut die Hälfte diese häufig oder gelegentlich.

Positiv dagegen: Wer das elektronische Angebot der Verwaltung kennengelernt hat, weiß die Vorteile zu schätzen. 46 Prozent aller Nutzer bewerten den Nutzwert als „hoch“, weitere 42 Prozent immerhin noch als „mittel“. Fazit: Die Unternehmen sind E-Government gegenüber grundsätzlich aufgeschlossen und positiv eingestellt. Finanzielle und personelle Ressourcen, die die Finanzbehörde speziell für die Förderung von E-Government für die Wirtschaft aufwendet, sind also sinnvoll eingesetzt.

Dennoch geht es Hamburg nicht wesentlich besser als dem ganzen Land: „Im internationalen Vergleich liegt Deutschland eher im Mittelfeld“, erklärt Thomas Weidner, Mitglied der Geschäftsleitung der Steria Mummert Consulting AG. Er ist Mitglied des Ausschusses für E-Business und Leiter der Ausschuss-Projektgruppe E-Government. Weidner hat sich intensiv mit internationalen E-Government-Strategien auseinandergesetzt. „Allgemein gibt es eine deutliche Zunahme des Online-Umsetzungsgrades von öffentlichen Dienstleistungen sowie einen grundsätzlich positiven Trend bei der E-Government-Nutzung weltweit.“ Besonders innovative Government-to-Business-Konzepte hat Weidner sowohl in Europa als auch in Übersee recherchiert: „In Australien wird beispielsweise auf die Erfüllung der Nutzerbedürfnisse und Steigerung der Leistungsfähigkeit des Staates Wert gelegt. In Dänemark sind Regierungsorganisationen verpflichtet, ausschließlich elektronische Warenrechnungen von Lieferanten zu akzeptieren. Damit sollen 130 Millionen Euro auf Staats- und weitere 50 Millionen Euro auf Unternehmensseite eingespart werden“, erläutert Weidner.

Auch beim Marketing von E-Government-Angeboten lohnt ein Blick über den Tellerrand. „In Dänemark gab es einen E-Day, an dem Bürger und Unternehmen einen Tag lang elektronische Kommunikation mit der Verwaltung verlangen durften, also ganz offen Druck zur Digitalisierung auf die Verwaltung ausgeübt wurde“, so Weidner. In anderen Ländern werden attraktive Vorteile versprochen, wie beispielsweise frühere Steuerrückzahlungen oder die Teilnahme von Unternehmen an Gewinnspielen (Singapur). „Kaum zu glauben, aber durch die Gewinnspiele konnten die Online-Zahlungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 44 Prozent gesteigert werden“, schmunzelt Weidner.

In Hamburg gibt es so etwas (noch) nicht. In einem Positionspapier zu „E-Government in Hamburg“ hatte unsere Handelskammer im April 2005 anlässlich einer gemeinsamen Veranstaltung von Handelskammer und Finanzbehörde die Beteiligung und Einbindung der Hamburger Wirtschaft bei der Entwicklung und Umsetzung von E-Government-Lösungen gefordert und eine gemeinsame Informationsoffensive über das bestehende E-Government-Angebot in Hamburg vorgeschlagen.

Ein erster Erfolg der mittlerweile intensiven Zusammenarbeit von Finanzbehörde und Handelskammer: Der Katalog „E-Government für die Wirtschaft“, der im März dieses Jahres von Senator Michael Freytag und Handelskammer-Präses Dr. Karl-Joachim Dreyer gemeinsam vorgestellt wurde. In diesem Katalog, der an alle Unternehmen mit mehr als zehn Beschäftigten versandt wurde und der unter www.finanzbehoerde.hamburg.de heruntergeladen werden kann, sind alle elektronischen Verwaltungsanwendungen der Stadt Hamburg zusammengefasst. Übrigens: Eine hohe Nachfrage bestätigte im Nachhinein das Produkt: In der Umfrage der Handelskammer betonten 77 Prozent der befragten Unternehmen, das Angebot nutzen zu wollen.

Mehr zum Thema unter www.hk24.de, Dokumenten-Nr. 41270.

Tanja Martens
tanja.martens@hk24.de
Telefon 36 13 8 444

Interview

Drei Fragen an Senator Michael Freytag

hamburger wirtschaft: Herr Senator, unsere Umfrage hat ergeben, dass großes Interesse in der Wirtschaft an E-Government-Anwendungen besteht, jedoch vielen Unternehmern gar nicht bekannt ist, welche Angebote es gibt. Was werden Sie tun, um das zu ändern?

Michael Freytag: Klappern gehört zum Handwerk, deshalb stellen wir unsere Dienstleistungen mit aktivem Marketing heraus, zum Beispiel durch „City-Light“-Kampagnen oder auf der CeBIT 2007. Die Finanzbehörde setzt ganz stark auf den Dialog mit den Firmen der Stadt: In den Ausschüssen der Handelskammer präsentieren wir den Unternehmern gezielt ausgewählte Online-Services. So wirken wir über Multiplikatoren in die Firmenlandschaft hinein. Die Stabsstelle E-Government der Finanzbehörde geht auch direkt in Betriebe vor Ort. So wollen wir erfahren, wo die Unternehmen der Schuh drückt. Auch das ist eine gute Möglichkeit, für die bestehenden Services der Stadt zu werben. Dass wir dabei die Kontakte der Handelskammer nutzen können, hilft uns bei unserer Arbeit ein großes Stück weiter.

hw: Der E-Government-Katalog für die Wirtschaft wurde positiv bewertet. Wie geht es damit weiter?

Freytag: Erst mal freue ich mich über die positive Resonanz auf den Katalog, nicht nur aus den Firmen, sondern auch aus den Verwaltungen anderer Länder. Das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Der Katalog wird bis Anfang 2008 aktualisiert und neu auflegt. Damit unsere Online-Dienste nicht nur auf Papier erscheinen, sondern auch im Internet so leicht und schnell zu finden sind, werden wir ein E-Government-Portal aufbauen.

hw: Wie sehen Sie Hamburgs Rolle im Konzert der Bundesländer beim Thema E-Government für die Wirtschaft?

Freytag: Hamburg ist beim Thema E-Government gut aufgestellt, das bescheinigen uns auch viele Externe aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Nicht ohne Grund haben wir die Federführung bei einem der sechs wichtigsten Deutschland-Online-Vorhaben, dem „Kfz-Wesen“, erhalten. Und auch bei der geplanten Einführung einer bundeseinheitlichen Rufnummer für Behörden, der „115“, werden wir als Pilotregion ganz vorn mitspielen. Dabei haben wir die Hamburger Unternehmen immer fest im Blick. Es sind ja nicht nur die speziellen Internet-Services, die den Unternehmen das Leben am Standort Hamburg leichter machen sollen. Bald können sie in die ersten Dienstleistungszentren für Wirtschaftsförderumg, Bauen und Umwelt in den Bezirken gehen oder alle Hamburger Behörden unter einer einzigen Telefonnummer erreichen.

hamburger wirtschaft, Ausgabe September 2007