Handelskammer Hamburg 2007

< zurück

Hamburg Summit

Dialog zwischen Ost und West

Drei Tage lang diskutierten auf dem zweiten „Hamburg Summit: China meets Europe“ Politiker, Experten und Wirtschaftsführer die Zukunft der sino-europäischen Wirtschaftsbeziehungen. Jetzt erscheint eine umfangreiche Kongressdokumentation.

Niemals zuvor haben wir in der Geschichte unserer Hansestadt eine solche Vielzahl hochrangiger chinesischer Politiker und Geschäftsleute begrüßen können“: Schon die Begrüßung von Handelskammer-Präses Karl-Joachim Dreyer ließ die Bedeutung erkennen, die der zweite „Hamburg Summit: China meets Europe” für den Außenhandelsplatz Hamburg haben würde. Auch das Resümee der nationalen und internationalen Presse ist nach dem China-Gipfel sehr positiv ausgefallen. Das Handelsblatt schrieb: „Kaum ein Unternehmen oder Verband setzt sich nicht für den mehrtägigen Gipfel ‚Hamburg Summit: China meets Europe’ ein, der die Beziehungen Hamburgs mit China und der Partnerstadt Shanghai verbessern soll“. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung nannte den Hamburg Summit „eine Art Davos im China-Handel“. Und die Welt am Sonntag bilanzierte: „Der Hamburg Summit war ein Erfolg – national wie international.“

In diesen Tagen erscheint die Dokumentationsbroschüre, in der Ergebnisse der dreitägigen Konferenz kompakt zusammengefasst sind. Sie rundet den Rückblick ab, zu dem auch die im Internet abrufbaren Redetexte des Kongresses und eine umfangreiche Fotogalerie gehören. Wir dokumentieren einige Ergebnisse in Auszügen.

Chinas Interesse am Schutz des geistigen Eigentums
Mit Wen Jiabao besuchte erstmals ein amtierender chinesischer Ministerpräsident den „Hamburg Summit“. Wen, der mit seinen drei wichtigsten Ministern nach Hamburg kam, erklärte in einer sehr offenen und wegweisenden Rede, der Summit spiele eine wichtige Rolle in der Förderung der sino-europäischen Beziehungen. Er sprach eine Reihe von kritischen Themen an, darunter auch den Schutz geistigen Eigentums, der in vielen Diskussionen auf dem Summit eine wichtige Rolle spielte. So sei die Einhaltung dieses Schutzes zum einen eine Pflicht im Rahmen des internationalen Handelsverkehrs, zum anderen aber auch eine Voraussetzung, um Chinas eigene Innovationsfähigkeit zu erhalten und um ausländische Institutionen im High-Tech-Bereich auch weiterhin anzuziehen. Auch chinesische Firmen haben mittlerweile unter chinesischen Plagiaten zu leiden. Dies fördert das Interesse der Regierung an der Einhaltung von Patent- und Markenrechten.

Umwelt und Energie: Erhöhung der Effizienz
Auf Diskussionspanels zu Fragen der Umweltproblematik und der Energieversorgung wurden Themen besprochen, die eine entscheidende Rolle für Chinas Wachstum spielen werden. Der ehemalige Leiter der UN-Umweltbehörde, Klaus Töpfer, resümierte: „Wenn das Land sein Wachstumstempo halten will, muss es in das Naturkapital investieren.“ Sein Kollege Professor Ernst-Ulrich von Weizsäcker, Dekan an der Universität von Santa Barbara, spitzte diese Aussage noch zu: „Wir müssen die Effizienz für Energie um das Vierfache steigern.“ Ausdrücklich bezog von Weizsäcker seine Aufforderung auch auf die entwickelten Industrienationen. Laut Zhao Xizheng, Präsident des China Electric Council, bedarf es eines „Wunders“, um auch in Zukunft Chinas rasantes Wachstum mit genügend Energie zu sichern.

Logistik: Rosen haben Dornen
Neben den Herausforderungen im Umweltsektor war die Logistik der zweite Schwerpunkt der Konferenz. In seinem Eingangsstatement brachte Wong Wai Shing, Chef des Hongkonger Logistikriesen Kerry EAS, die Lage im chinesischen Logistiksektor mit blumigen Worten auf den Punkt: „Der Markt bietet rosige Aussichten, aber leider haben Rosen auch Dornen.“ Chinas schiere Größe mache es einer Firma unmöglich, allein das ganze Land zu bedienen, daher bestünde der Zwang zur Kooperation, so Wong. Auf dem Sektor des Containerverkehrs bestünden allerdings auch zukünftig sehr gute Chancen für hohe Wachstumsraten, sowohl für die chinesischen als auch die europäischen Seehäfen – und damit natürlich auch für Hamburg, prognostizierte Guan Tongxian, Präsident des Shanghaier Containerkranproduzenten ZPMC.

Automobilindustrie – Wachstum mit bloßem Auge erkennbar
„Heute ist China eine der großen Herausforderungen für die Automobilindustrie – bald wird es einer der großen Herausforderer sein“, erklärte Bernd Gottschalk, Präsident des Verbandes der Deutschen Automobilindustrie. Zhu Yanfeng, Präsident des chinesischen Automobilproduzenten FAW, beschrieb die Strategie der chinesischen Automobilbauer, die laut Zhu das Niedrigpreissegment erobern wollen. In den höheren Preisklassen würden hingegen weiterhin Kooperationen mit ausländischen Produzenten oder Importe dominieren. Allerdings müssten laut Zhang Guangsheng vom chinesischen Automobilkonzern SAIC ausländische Anbieter keine Furcht vor dem Verdrängungswettbewerb haben, da die Wachstumschancen weiterhin unglaublich groß seien. Den europäischen Zuhörern riet Bernd Gottschalk: „Wann auch immer ein Wettbewerber auftaucht, nehmen Sie ihn ernst. Wir werden Wettbewerb durch chinesische Anbieter in Europa erleben.“

Helmut Kohl – China und Europa in einer globalisierten Welt
Als einer der Ehrenvorsitzenden des „Hamburg Summit“ warb Helmut Kohl dafür, beim Thema Menschenrechte Geduld aufzubringen und bei der Beurteilung von Chinas Entwicklung nicht die Zeitmaßstäbe deutscher Legislaturperioden anzusetzen: „Wer Diskussionen über Menschenrechte führt, muss immer sehen, welcher Sprengstoff im Lande liegt und welche Verantwortung die Politiker tragen.“ Nach dem Fall der Mauer in Europa sei die bis dahin bipolare Welt zerbrochen. Nun bilde sich eine multipolare Welt heraus, in der China, Indien, die USA, die EU, Russland und vielleicht auch bald Südamerika die entscheidenden Rollen spielten, sagte der Altbundeskanzler. China und Europa seien daher nun auf viel größere Weise voneinander abhängig als früher.

Der Dialog wird fortgeführt – „Hamburg Summit“ 2008
Die chinesisch-europäische Partnerschaft ist bereits Realität und ein politischer wie wirtschaftlicher Erfolg, betonte der Konferenzvorsitzende und Altpräses der Handelskammer, Nikolaus W. Schües, in seiner Abschlussrede. Allerdings sollte die Partnerschaft zwischen der EU und China in allen Bereichen auf Freihandel, offenen Märkten sowie einem fairen Erfahrungs- und Wissenschaftsaustausch basieren. Schües unterstrich in seiner Rede die Relevanz des „Hamburg Summit“ und seine strategische Bedeutung für die chinesisch-europäischen Beziehungen: „Dialog bildet eine Brücke für Frieden und nachhaltige Entwicklung“. Dies sei die Zielsetzung des „Hamburg Summit“.

Jens Aßmann
jens.assmann@hk24.de
Telefon 36 13 8 287

Service for our readers

You will find an English translation of this article online at: www.hamburger-wirtschaft.de

Infos und Kontakte

Die Kongressbroschüre ist ab sofort über den Autoren zu bestellen. Die Redetexte und eine umfangreiche Fotodokumentation sind auf der Kongress-Website www.hamburg-summit.com abrufbar.

Der dritte „Hamburg Summit: China meets Europe“ findet 2008 in der Handelskammer statt.

hamburger wirtschaft, Ausgabe Januar 2007