Handelskammer Hamburg 2007

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Jubiläum

Ein halbes Jahrhundert Partner

Es war mitten im Kalten Krieg: Die Sowjets suchten Kontakt zum Westen und fanden ihn an der Alster. Hamburg feiert in diesem Jahr das 50-jährige Bestehen seiner Städtepartnerschaft mit St. Petersburg.

Natürlich hat ein Jubiläum viele Facetten und es besteht durchaus Anlass zum Feiern: St. Petersburgs Wirtschaft floriert und Unternehmen aus beiden Städten haben viele Chancen für interessante Kooperationen. Um diesen wirtschaftlichen Aspekt der Städtepartnerschaft während des Jubiläumsjahres zu beleuchten, führt unsere Handelskammer am 31. Mai eine hochkarätige Wirtschaftskonferenz durch (Programmdetails siehe Kasten). Außerdem ist für Anfang Oktober 2007 eine Unternehmerreise nach St. Petersburg geplant, die Wirtschaftssenator Gunnar Uldall politisch flankieren wird.

Vera Derkatch, Filialleiterin der Verkaufs- und Serviceniederlassung von Jungheinrich Lift Truck, beurteilt die Lage in St. Petersburg so: „Die Geografie, die Verkehrsverbindungen, der Hafen, das sind für Jungheinrich die großen Petersburger Assets. Darin steckt ein enormes Potenzial, das die Stadtväter jetzt konsequent entwickeln“.

Einen großen Vorzug sieht Derkatch auch in den Petersburger Menschen: „Sie sind gut ausgebildet und sehr strebsam. Fast alle unsere 22 Mitarbeiter sprechen Englisch oder Deutsch. Zweimal pro Woche haben wir Deutschunterricht in unserem Büro“.

Das renommierte Handelshaus Reyher testet zur Zeit in der Partnerstadt seine Marktchancen. Exportleiter Michael Martsch sagt: „In St. Petersburg und im Leningrader Gebiet sitzt der Maschinenbau. Als Lieferant von Normteilen sehen wir einen guten Ansatz für unser Russland-Geschäft.

Auf weiter ansteigenden Außenhandel und auf neue Schifffahrtsverbindungen setzen die Petersburger Städteplaner. Ausbau der Verkehrsinfrastruktur ist das Gebot der Stunde und spektakuläre Projekte sind geplant: Auf der Wassilij-Insel wird ein neuer Kreuzfahrtterminal entstehen und ein Tunnel unter der Newa soll die Wassilij-Insel mit dem Stadtzentrum verbinden.

„Public Private Partnership“ ist das Zauberwort für die Stadtväter. Um den 2,4 Milliarden Euro schweren Auftrag zum Bau und Betrieb einer Nord-Süd-Autobahn durch die Innenstadt bewirbt sich der deutsche Konzern Hochtief.

„Petersburg wird das Detroit Russlands“, rief die Petersburger Gouverneurin Matwienko stolz, als sie im Frühjahr 2006 bekannt gab, dass sich auch General Motors in ihrer Stadt niederlässt. Toyota, Nissan und der Autozulieferer Magna Steyr bauen bereits ihre Fabriken auf. Und nicht nur die Automobilindustrie zieht es in die nordrussische Metropole. Das Interesse ist breiter. Unter den bekannten deutschen Firmen sind zum Beispiel. Knauf, Henkel, Metro und Bosch-Siemens.

„Mit hochwertigen Lebensmitteln lassen sich in St. Petersburg gute Geschäfte machen. Aber nicht nur damit. St. Petersburg punktet auch mit innovativen Industrien und ist eine Hochburg für IT“, sagt Stephan Stein, Leiter der Vertretung unserer Handelskammer.

Der Hamburger Hafen profitiert vom St. Petersburger Wirtschaftsaufschwung: Der Containerumschlag mit Russland wuchs allein im vergangenen Jahr um mehr als 40 Prozent.

Etwa hundert Hamburger Unternehmen haben Kontakte zu Partnern an der Newa. Größere Investitionen unterhalten die Unternehmen Mühlhan und Reemtsma. Vertretungen haben der Germanische Lloyd, Gebr. Heinemann, Norddeutsche Affinerie, Jungheinrich AG, Reyher, Osko, Tchibo AG und die Hamburger Gaststätte „Tschaika“.

Einige Petersburger Unternehmen und ein offizielles Außenwirtschaftsbüro haben in Hamburg Fuß gefasst.

Cornelia Kahl
cornelia.kahl@hk24.de
Telefon 36 13 8 283

Infos

Wirtschaftssymposium

Am 31. Mai findet zwischen 9 und 17 Uhr in der Handelskammer Hamburg ein großes Wirtschaftssymposium mit Vorträgen von hochrangigen Vertretern der Stadt St. Petersburg statt. Neben einem Kongress „Gesundheitswirtschaft“ sind Workshops zu den Themen „Transport/Logistik“ sowie „Neue Technologien im Baubereich“ vorgesehen. Außerdem sind eine Ausstellung zu St. Petersburger Investitionsvorhaben, diverse Messestände der Gesundheitswirtschaft, des Hamburg Hafen Marketing e.V. und der Logistik-Initiative Hamburg zu besichtigen.

hamburger wirtschaft, Ausgabe Mai 2007