Handelskammer Hamburg 2007

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EU-Osterweiterung

Neue Chancen am schwarzen Meer

Rumänien und Bulgarien gehören seit 2007 zur Europäischen Union. Die beiden Länder stehen – gemessen an der Wirtschaftsleistung pro Kopf – ganz am Ende der EU-Rangliste und erwirtschaften nur ein Drittel des EU-Durchschnitts. Dennoch bieten sie Hamburger Unternehmen Chancen.

Die Zukunft der beiden Schwarzmeerländer in der Europäischen Union ist keineswegs düster, denn beide haben einen Aufholprozess gestartet. Die Chancen für deutsche Unternehmen, sich an diesem Prozess zu beteiligen, stehen gut: Grundsätzlich entfallen jetzt, bis auf wenige Ausnahmen, alle Zölle und Handelshemmnisse. EU-Standards werden schrittweise übernommen. Und: Beide Länder werden kräftig investieren müssen, um ihre Infrastruktur und ihre Industrie so schnell wie möglich auf EU-Niveau zu bringen. Die Auswirkungen von Jahrzehnten sozialistisch geprägter Wirtschaft sind in beiden Ländern noch zu spüren. Doch alle von Brüssel eingeforderten Anstrengungen zur Bekämpfung von Bereicherungsversuchen in Politik und Wirtschaft werden die Wirtschaftslage stabilisieren, was sicher Einfluss auf die Investitionsbereitschaft Hamburger Firmen in der Region haben wird.

Im Logistiksektor gibt es bereits vielfältige Zusammenarbeit. Die Firma Navibulgar/Black Sea Shipping mit Sitz in Varna betreibt eine regelmäßige Schiffsverbindung im Container-Linienverkehr zwischen dem Hamburger Hafen und der bulgarischen Küste. Hamburger Erfahrungen sind bei den Erweiterungsarbeiten der Häfen von Varna und Bourgas gefragt. Die HPC Hamburg Port Consulting GmbH liefert bereits die Software für das Container-Kontrollprogramm an BULCON, das Container-Transportunternehmen der Staatsreederei Navigation Maritime Bulgare. Der Außenhandel zwischen Hamburg und den beiden Schwarzmeerländern hat sich in den letzen Jahren gefestigt, sodass Hamburger Firmen und Produkte heute einen ausgezeichneten Ruf genießen. Der Wert des Hamburger Außenhandels mit Rumänien liegt bislang bei knapp 180 Millionen Euro, der mit Bulgarien bei 52 Millionen. Doch die Konsumfreude der EU-Neulinge und der große Modernisierungsbedarf der Industrien lassen wachsende Liefermöglichkeiten erwarten.

„Für uns sind die beiden EU-Staaten unter Absatzaspekten interessant, vor allem auch als Brücken nach Ost- und Südosteuropa“, sagt Hartmut Sagner vom Flurförderkonzern Jungheinrich AG. Die Helm AG und die Beiersdorf AG sind ebenfalls in dem Raum mit Tochtergesellschaften aktiv. Auch die Hoyer Spedition GmbH und das Hamburger Handelsunternehmen Cremer Holding GmbH sind in Bulgarien vertreten, und nicht zuletzt ist das Hamburger Autohaus Hugo Pfohe der größte Autohändler in der Republik Bulgarien, mit etwa zwölf Niederlassungen und über 300 Mitarbeitern.

Zweifellos sind die – noch – niedrigen Lohnkosten für Produktion und Montagearbeit ein wichtiger Standortvorteil. Rumänien hat außerdem eine konkurrenzlos niedrige Unternehmensbesteuerung, eine Flatrate von 16 Prozent. Vom Geldsegen aus der Europäischen Union können auch Hamburger Unternehmen profitieren. Bis 2013 stehen Rumänien und Bulgarien dreistellige Millionenbeträge in Form von Strukturfondsmitteln zur Verfügung für die Mitfinanzierung großer Verkehrsprojekte, darunter Straßen und Bahnlinien sowie der Ausbau der Flughäfen.

Dass sich ein Engagement in der Balkanregion lohnen kann, hat die Erfolggeschichte des deutschen Baukonzerns Lindner Holding gezeigt, der schon seit einigen Jahren in Bulgarien erfolgreich tätig ist, und der jetzt zu den fünf größten Generalunternehmen Bulgariens gehört.

Cornelia Kahl/Cristiana Cicoria
cornelia.kahl@hk24.de / cristiana.cicoria@hk24.de
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hamburger wirtschaft, Ausgabe Juni 2007