Handelskammer Hamburg 2007

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Wirtschaftspolitik

Wie bewerten Sie für Ihr Unternehmen das geplante Nichtrauchergesetz?

Die Bürgerschaft hat das „Hamburgische Gesetz zum Schutz vor den Gefahren des Passivrauchens in der Öffentlichkeit“ beschlossen. Es tritt am 1. Januar 2008 in Kraft.

„In unseren Unternehmen gibt es schon jetzt Nichtrauchertage, während der Theatervorstellungen ist das Rauchen generell untersagt. In unseren Restaurants Dips ’n Stix und Schatto Pauli gibt es selbstverständlich Nichtraucherzonen. Eine darüber hinaus- gehende rigide staatliche Regulierung, wie sie jetzt vorgesehen ist, halte ich für überflüssig.“
Corny Littmann (54), geschäftsführender Gesellschafter von Schmidt Theater und Schmidts TIVOLI

„Das Mercado ist bereits größtenteils rauchfreie Zone – schon aus Gründen des Feuerschutzes. Allerdings derzeit noch mit Ausnahme der im Center ansässigen Gastronomen. In Gesprächen mit den Betreibern kommt schon eine gewisse Angst zum Vorschein, dass ihnen mit Beginn des Rauchverbotes viele Kunden wegbleiben werden. Ich kann diese Angst nachvollziehen, glaube aber nicht, dass sich an den Umsätzen viel ändern wird – sondern vielmehr, dass die Raucher ihr Verhalten umstellen werden. Viele unserer europäischen Nachbarländer machen ja mittlerweile erfolgreich vor, dass es auch rauchfrei geht – und dass, selbst wenn einige Kunden wegbleiben, dafür andere Kunden kommen, die die rauchfreie Atmosphäre schätzen. Da das Rauchverbot flächig für Hamburg und Umgebung gelten wird, wird es zudem nicht zu Wettbewerbsverzerrungen kommen.“
Cornelius C. Liedtke (35), Center-Manager im EKZ MERCADO Altona-Ottensen

„Auf unsere Restaurants hat das neue Gesetz keinerlei Auswirkungen (mehr). Wir haben bereits im vergangenen Jahr entsprechende Maßnahmen eingeleitet: Jacobs Restaurant ist ein komplettes Nichtraucherrestaurant, und unsere Weinwirtschaft hat einen separaten Raucher- und Nichtraucherbereich.“
Jost Deitmar (45), Direktor des Hotel Louis C. Jacob

„Für mich bedeutet dies, dass ich meine kleine Bar Parallelwelt zum 1. Januar 2008 unter Umständen schließen werde. Über 70 Prozent unserer Gäste sind Raucher. Unser Schankraum ist schlicht zu klein und zu ungünstig geschnitten, um einen – wie es das Gesetz für eine Ausnahmegenehmigung erfordert – ,baulich abgetrennten Raucherraum’ einzurichten – da muss sogar ich als ,Wohnexpertin’ passen. Nächtliche Trauben von Rauchern vor der Tür und den entsprechenden Lärm werde ich weder unseren Nachbarn (die Parallelwelt befindet sich im Erdgeschoss eines Wohnhauses) noch uns und den Gästen zumuten – ganz abgesehen davon, dass die meisten rauchenden Gäste sich wohl eine neue Stammbar suchen werden, die groß genug ist für einen Raucherraum. Ich hätte von der Politik erwartet, dass sie auch für so kleine Betriebe wie unseren eine faire Regelung schafft. Dies ist nicht geschehen. Durch eine Schließung würden insgesamt fünf Jobs entfallen. Bis zum Ende des Jahres werden wir allerdings ordentlich feiern – und zum Beispiel Raucherpartys auf die Beine stellen.“
Tine Wittler (34), Inhaberin der Bar Parallelwelt

„Wir finden es gut, dass es geregelt ist – schade, dass es geregelt werden musste. Im Tafelhaus haben wir seit Anfang 2006 mit unseren Gästen folgende Regelung getroffen: Rauchen ist erst nach 23 Uhr im Restaurant gestattet, davor können die Gäste gerne in einem separaten, dafür vorgesehenen Bereich rauchen. Dies wurde problemlos akzeptiert und wird von Seiten der Raucher und Nichtraucher begrüßt. Wir rufen immer alle nach Freiheit, aber zu viel Freiheit ist auch nicht richtig – schade! Ich als Nichtraucher bin froh, dass es nun geregelt ist – verbindlich für alle!“
Christian Rach (50), Inhaber des Tafelhaus

„Prinzipiell finde ich ein Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden gut. In Hotellerie und Gastronomie bedeutet es nur eine weitere Entmündigung, die Eigeninitiative der Branche zeigte in den vergangen Jahren, dass der Markt dies alleine regelt. Wir werden das Rauchverbot in unseren jetzigen Lokalen zum neuen Jahr einführen und hoffen, dass unsere Gäste dies akzeptieren und nicht wegbleiben. Schwierig wird es nur, wenn wir auch die Fischauktionshalle zur rauchfreien Zone erklären müssen. Dort wird es uns sicher Kunden und Umsatz kosten. Unsere neue Location in der Speicherstadt wird gerade eingerichtet. Dort werden wir gleich mit einem Rauchverbot arbeiten müssen.“
Jens Stacklies (46), Geschäftsführer der Jens Stacklies Veranstaltungsservice GmbH

Die veröffentlichten Aussagen sind privater Natur und ihre Auswahl Ergebnis einer nicht-repräsentativen Umfrage.
hamburger wirtschaft, Ausgabe September 2007