Handelskammer Hamburg 2007

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ChessBase Schachprogramme Schachdatenbank Verlagsgesellschaft mbH

Fritz 10

Das Produkt

Wissen ist Matt – gemäß diesem Prinzip trainieren Schachspieler, deren spielerische Ambitionen über bloßen Zeitvertreib hinausgehen. Während der Partie notieren sie die einzelnen Züge, um später alles zu analysieren. Fritz hilft ihnen dabei. Fritz? So heißt das Computerschachprogramm der ChessBase GmbH. „Ein Training ohne Computerunterstützung ist heute kaum noch denkbar“, sagt Jörg Schulz vom Deutschen Schachbund. Wer leistungssportlich orientiert sei, komme um Fritz nicht herum. Der Hamburger Schachverband sieht das ähnlich. Über eine Million Mal hat der Marktführer ChessBase sein Programm verkauft. Es beantwortet Taktikfragen rund um König, Dame und Co. Fritz 10 gibt es in 17 Sprachen in über 90 Ländern. Ergänzt wird es durch weitere Software, die ChessBase ebenfalls entwickelt, produziert und vertreibt: Eröffnungsbücher, Videoanalysen über Endspiele, Datenbanken von Millionen gespielter Partien. Die Firma wurde 1988 von Matthias Wüllenweber gemeinsam mit drei Partnern gegründet. „Fritz soll ein Spielpartner sein, keine brutale Maschine“, sagt Geschäftsführer Rainer Woisin. Der frech klingende Name für das Programm wurde extra entwickelt. „Man soll das Gefühl haben, mit einem guten Freund zu spielen“, sagt Woisin. In Schachkreisen wird Fritz wie eine reale Person zitiert. Der einzige Unterschied, so ein Weltklasse-Spieler: Fritz komme abends nicht mit an die Bar.

Die Geschichte

Man kann sich heute schwer vorstellen, dass Heimcomputer vor 30 Jahren noch etwas Besonderes waren. Damals bereiteten sich Schachspieler mit Büchern, Zeitungen und Bulletins vor – und einer Unmenge von Zetteln, auf die sie Partien notierten. Wüllenweber, Student und Vereinsspieler, hatte von der Zettelwirtschaft genug: Er setzte sich an seinen Atari und begann, Schachpartien abzutippen. Als er Schach-Legende Garri Kasparow sein Werk zeigte, war dieser begeistert: Man musste nicht mehr unendlich viele Bücher und Zeitschriften kopieren und kaufen, um zu trainieren. Das elektronische Erfassen und Veröffentlichen der Partien sei die „Demokratisierung der Schach-Information“, sagt Woisin heute. Alles stünde digital zur Verfügung. Und ChessBase habe beim Speicherformat die Standards gesetzt. Fritz entwickelten die Programmierer gleich nach der Datenbank. Die erste Version erschien 1991 als DOS-Diskettenprogramm. Damals gewann Kasparow noch mit 26:9 gegen den Computer. Letztes Jahr besiegte Fritz den amtierenden Weltmeister Wladimir Kramnik mit 4:2. In der Taktik ist die Maschine, die mehrere Millionen Stellungen pro Sekunde errechnen kann, den internationalen Großmeistern weit überlegen. Bei Strategie und Position hingegen habe Fritz noch Nachholbedarf, sagt Jörg Schulz vom Deutschen Schachbund.

Das Unternehmen

Seit knapp 20 Jahren sitzt ChessBase in der City Nord. „Unser Wachstum finanzieren wir selbst“, sagt Woisin stolz. Viele der 18 Angestellten seien schon seit Jahren in der Firma. Das Unternehmen setzt ausschließlich auf das traditionelle Brettspiel, und ausschließlich in digitalen Facetten: Neben Fritz gibt es die ChessBase-Datenbank, die Kinderlernsoftware „Fritz und Fertig“ sowie Videotrainings mit Großmeistern. Neu ist das Programm für Handys und PDAs. Zurzeit verlagert ChessBase seine Angebote vermehrt auf den eigenen Server Schach.de. Der Trend gehe zu kostenpflichtigen Inhalten, sagt Woisin. Auf der dreisprachigen Site sind über 200 Millionen Partien verfügbar – werbefrei.

Katrin Meyer
katrin.meyer@hk24.de
Telefon 36 13 8 329
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hamburger wirtschaft, Ausgabe September 2007