Handelskammer Hamburg 2007

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Hamburgensien

Biografie

Ein Fremder in seiner Heimatstadt

Hans Erich Nossack, Gründungsmitglied der Freien Akademie der Künste, thematisierte in seinem Prosatext „Der Untergang“ 1948 als einer der ersten Schriftsteller der deutschen Nachkriegsliteratur die Schrecken des Bombenkriegs anhand der Zerstörung seiner Heimatstadt Hamburg. 1901 als Sohn eines Kaffeekaufmanns in Hamburg geboren, in der elterlichen Villa am Harvestehuder Weg aufgewachsen, aber von dort im Unfrieden ausgezogen, führte er über Jahrzehnte das Doppelleben eines Kaufmanns und Dichters. In ihrem Buch über sein Leben folgt Susanne Bienwald den geografischen und literarischen Spuren Hans Erich Nossacks in Hamburg zwischen Alster, Grindel und Reeperbahn.

Susanne Bienwald: „Hans Erich Nossack – Nachts auf der Lombardsbrücke“; Hoffmann und Campe Verlag; Hamburg 2007; 190 Seiten, 19,95 Euro.

Bildband

Zeitreise in die 50er-Jahre

Legendär sind Hamburgs Musikclubs Top Ten und Star-Club: Dort traten Anfang der 60er-Jahre die Beatles und andere Rockgrößen auf. Seit Langem gibt es sie nicht mehr, ebenso wie die Straßenbahn oder das „Zillertal“, an dessen Stelle heute das Privattheater Schmidts Tivoli steht. Den Wandel der Stadt in den letzen 50 Jahren dokumentiert Michael Prendels Bildband, der Fotos aus jener Zeit aktuellen Aufnahmen gegenüberstellt. Auf ihnen sind Hamburgs architektonische Wahrzeichen zu sehen wie das Rathaus, die Kunsthalle und die Alsterarkaden, aber auch Szenen aus dem Alltagsleben im Büro oder auf dem Fischmarkt. Mit den erläuternden Texten in Deutsch, Englisch und Spanisch laden sie zu einem kleinen Spaziergang in die Vergangenheit ein.

Prendel/Durago: „Hamburg – Eine Zeitreise von den 50ern bis heute“; Verlag DAS TOPOGRAPHIKON; Hamburg 2006; 120 Seiten, 24,80 Euro.

BallinStadt

Von der Veddel in die Welt

Von 1889 bis 1914 wanderten im Jahresdurchschnitt etwa 75000 Menschen über den Hamburger Hafen nach Übersee aus. Um das wachsende Problem der Unterbringung zu lösen, ließ die HAPAG, damals größte Reederei der Welt, zur Jahrtausendwende auf der Veddel die sogenannten Auswandererhallen bauen. In der von HAPAG-Generaldirektor Albert Ballin geschaffenen „Stadt in der Stadt“ warteten zeitweilig bis zu 5000 Menschen auf ihre Überfahrt. Seit einigen Wochen lädt an diesem historischen Ort die „BallinStadt – Auswandererwelt Hamburg“ in- und ausländische Besucher ein, die Geschichte der Emigration über Hamburg zu erleben und zu erforschen.

Hans-Hermann Groppe, Ursula Wöst: „Über Hamburg in die Welt. Von den Auswandererhallen zur BallinStadt“; Ellert & Richter Verlag; Hamburg 2007; 88 Seiten, 9,95 Euro.

Roman

Road-Trip

Als Elisabeth nach Hause kommt, steht unverhofft ihre Schwester Rebecca vor der Tür – und sie will bleiben. „Prinzessin“ Rebecca passt so gar nicht in die chaotisch-spontane Welt der Elli, die sich in Hamburgs Szenevierteln abspielt: der eigene Laden, Kneipen, Konzerte, Freunde. Die Freiheit von der Familie und ihre Unabhängigkeit hat sie sich hart erkämpft. Dennoch bringt Elli es nicht übers Herz, ihre kleine Schwester wieder wegzuschicken – hatte diese doch gerade eine Totgeburt. Als Rebeccas Mann aus Süddeutschland kommen will, um seine Frau zu holen, läuft diese einfach davon. Elli setzt sich ins Auto und fährt hinterher. Utz beschreibt die verkorkste Beziehung der Geschwister direkt und ohne sprachliche Schnörkel. Die Geschichte ist rasant, die Dialoge und Gedanken der Protagonisten sind gleichsam skurril und unumwunden.

Birgit Utz: „Weggefahren“; Minimal Trash Art; Hamburg 2007, 166 Seiten, 11,90 Euro.

hamburger wirtschaft, Ausgabe September 2007