Handelskammer Hamburg 2010

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„Hamburg Summit: China meets Europe“ 2010

China ist Konjunkturlokomotive für Hamburg

Vom vierten „Hamburg Summit: China meets Europe“ 2010, der gerade zu Ende gegangen ist, ging ein klares Signal aus: China sorgt für Wachstum in Hamburg. Das gilt nicht nur für unseren Hafen, die gesamte Logistikbranche und unseren Außenhandel, sondern es gilt längst auch für unsere Industrie und zunehmend für den Dienstleistungsbereich. Hamburg muss daher weiter intensiv auf dem chinesischen Markt Flagge zeigen und seine Interessen in allen Bereichen, auch gegenüber anderen deutschen Metropolen, behaupten. Dazu sind Einsatz und Geld erforderlich – seitens der Unternehmen, aber auch seitens des „offiziellen Hamburg“, also des Senats, der Wirtschaftsverbände und -institutionen. Unsere Handelskammer hat dazu mit dem „Hamburg Summit: China meets Europe“ ihren Beitrag geleistet.

Es gilt jedoch – und das kann nicht oft genug betont werden –, die Risiken und Chancen beim „Tanz mit dem Drachen“ genau abzuwägen, China nicht kritiklos gegenüberzustehen und, vor allem, sich nicht vom Reich der Mitte abhängig zu machen. Der Dialog, wie unsere Handels­kammer ihn mit dem „Hamburg Summit“ pflegt, ist und bleibt das beste Mittel, um Missverständnisse auszuräumen und eine solide Basis für die künftige Zusammenarbeit zu schaffen.

Die Themen der diesjährigen Konferenz spiegelten die wichtigsten Möglichkeiten und Herausforderungen in der Zusammenarbeit zwischen Europa und China wider: China sieht sich gewaltigen Aufgaben gegenüber, will es seine Umweltprobleme in den Griff bekommen. Hamburgs Firmen haben gerade in diesem Bereich hohe Kompetenzen und sollten die Chancen jetzt nutzen, wenn sie auf dem weltweit größten Wachstumsmarkt in den Bereichen Umweltschutztechnik, Erneuerbare Energien und energieeffizientes Bauen nicht den Anschluss verlieren wollen.

Auch muss die in China rasant fortschreitende Urbanisierung durch neue Technologien umweltverträglich gestaltet werden. Bis zu 350 Millionen Menschen werden dort in den nächsten Jahrzehnten zusätzlich in die Städte ziehen. Dieser Entwicklung muss dringend mit neuen Konzepten zum Beispiel im Bereich der E-Mobilität begegnet werden. China selbst schickt sich an, Weltmarktführer bei alternativen Antrieben zu werden, um von der eigenen Urbanisierung selbst industriepolitisch zu profitieren. Hamburger Firmen sollten hier Möglichkeiten der Zusammenarbeit intensiv prüfen, sonst tun es andere.

Dabei liegt die Betonung auf „prüfen“, denn ein Engagement auf dem chinesischen Markt birgt auch Risiken. Während chinesische Firmen im Westen immer aktiver sind, berichten westliche Firmen in China immer häufiger über diskriminierende Praktiken. Sie reichen von der Benachteiligung bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen bis hin zu erzwungenen Wissenstransfers im Rahmen von Joint-Ventures. Dies darf nicht verschwiegen werden. Wenn Chinas Wachstum weitergehen soll, und das ist im Interesse aller, darf dies nicht auf Kosten anderer und unter Zuhilfenahme unlauterer Mittel geschehen. Die Wirtschaftskrise und die dadurch ausgelösten Veränderungen im internationalen System müssen genutzt werden, um China stärker einzubinden und mehr internationale Verantwortung vom Reich der Mitte einzufordern.

Eines ist klar: Die Entwicklung Chinas in den letzten dreißig Jahren lässt sich nicht umkehren. Die Volksrepublik ist allein aufgrund ihrer schieren Größe eines der wirtschaftlichen und politischen Schwergewichte der Welt von heute und erst recht der Welt von morgen. Weder ist ein Kotau vor der Machthabern in Peking der richtige Weg noch darf es ein „China-Bashing“ geben, wie dies in den deutschen Medien gerne geschieht. Beides führt nicht zum Erfolg. China ist unser strategischer Partner. Wir sollten unser Möglichstes tun, damit daraus eine echte Freundschaft erwächst: Der „Hamburg Summit: China meets Europe“ 2010 war dafür ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.



Frank Horch
Präses der Handelskammer Hamburg

hamburger wirtschaft, Ausgabe Dezember 2010