Handelskammer Hamburg 2010

< zurück

Alstertal-Einkaufszentrum

Weihnachtsmann im Shoppingland

Damit zum Fest alles perfekt aussieht, sind im Alstertal-Einkaufszentrum jedes Jahr viele fleißige Hände im Einsatz. Erste Arbeiten beginnen bereits im Sommer.
Letztlich ist alles nur eine Frage der Orga­nisation. Auch Weihnachten. Der Job von Karsten Bärschneider ist es, alles im Blick zu haben. Er ist der Center-Manager des Alstertal-Einkaufszentrums (AEZ) in Poppenbüttel. In den Etagen unter seinem Büro wuseln ­täglich etwa 40 000 Menschen durch die ­Geschäfte, während der Vorweihnachtszeit sind es mitunter bis zu 70 000 – das Fest zieht auch Shopping-Muffel in die Läden.

Karsten Bärschneider studiert den Center-Lageplan. Darauf ist eingezeichnet, vor welchen Geschäften in der Passage Stände für den Weihnachtsmarkt aufgebaut werden sollen – eine Präsentationsmöglichkeit, die viele Geschäftsinhaber im AEZ nutzen. „Die Koordination ist das Schwierigste“, sagt Bärschneider. Schließlich bringe es nichts, wenn die Dekorateure mit den Lichterketten kommen, ohne dass die Bäume aufgestellt sind. Allein der Auf- und Abbau kostet jedes Jahr insgesamt rund 250 000 Euro. Damit hebt sich Weihnachten auch finanziell von anderen Festen ab. Bereits im Juni hatte Bärschneider mit der Planung begonnen. In die Vorbereitungen einbezogen sind jedes Jahr unterschiedliche Akteure: die aus verschiedenen Ladenmietern bestehende Werbegemeinschaft des AEZ, Dekorateure, eine Werbeagentur, Mitglieder des Center-Managements und viele andere, die ihren Teil dazu beitragen, dass alles rechtzeitig steht. Für den 43-jährigen Bärschneider, der seit 2009 als Center-Manager für das AEZ arbeitet, ist die Organisation geübte Praxis: „Weihnachten ist im Grunde genommen wie Ostern, nur anders.“

Peter Kiens hingegen sieht das berufsbedingt nicht ganz so. Der Rentner mit dem herzlichen Lächeln ist der AEZ-Weihnachtsmann. Eine Rolle, die der ehemalige Foto­redakteur mit Begeisterung ausfüllt. „Es ist ein tolles Gefühl, wenn die Kinder einen anstrahlen“, schwärmt er. Ein bis zwei Tage pro ­Woche wirft sich der 69-Jährige in die ­Weihnachtsmann-Garderobe: roter Mantel, schwere Stiefel und ein dicker, weißer Rauschebart. Unterstützung bekommt Kiens von seinem Weihnachtsengelchen, der zehn Jahre alten Farina. Gemeinsam veranstalten die ­beiden regelmäßig eine Weihnachtsmann-Sprechstunde im AEZ. Dann kommen viele Kinder und nutzen die Möglichkeit, von ihren Wünschen zu erzählen. Wenn die Kleinen aber zum Beispiel von einer Nintendo-Wii-Spielkonsole schwärmen, kann es schon vorkommen, dass der Weihnachtsmann ratlos aus der Wäsche schaut. Gut, dass ihm dann Engel ­Farina zur Seite steht und ihm auf die Sprünge hilft.

Einige Kinder nutzen die seltene Begegnung auch, um den Weihnachtsmann endlich das zu fragen, was sie schon immer wissen wollten. „Wieso kommst du mit dem Bus und nicht mit dem Rentierschlitten?“, lautet eine oft gestellte Frage. „Na, wenn auf der Erde kein Schnee liegt, müssen die Rentiere oben im Himmel auf Wolke sieben warten – die ­Tiere können nur bei Schnee auf der Erde ­landen“, antwortet Kiens dann. Das leuchtet den meisten ein.

Werbegestalterin Barbara Schilling hat bei den Weihnachtsvorbereitungen ganz andere Fragen zu klären. Allein das Zurechtzupfen der Tannenzweige und das Anbringen der Lichterketten nimmt jedes Jahr etwa eine Woche in Anspruch, schließlich sind allein zwei der AEZ-Christbäume mit einer Höhe von jeweils zehn Metern deutlich größer als ein Tannenbaum im heimischen Wohnzimmer. Wer die Inhaberin der Firma „Die Art Decoration“ bei der Arbeit beobachtet, spürt, dass sie in ihrem Element ist. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt die 53-Jährige. Seit 20 Jahren übernehmen sie und ihre Mitarbeiter die Weihnachtsdekoration für das AEZ, setzen aber auch andere Events um. „Vom Erntedankfest über Saisondekorationen bis hin zu Modenschauen übernehmen wir alles“, erzählt Schilling. Doch die Weihnachtsdekoration ist im Vergleich am arbeitsintensivsten: „Dahinter steht eine wahnsinnige Logistik und ein enormer Fleißaufwand.“ Allein ist das nicht zu schaffen, zumal „Die Art Decoration“ die meisten Objekte selbst anfertigt. „Wenn am Ende alles am rechten Platz ist, erkennt man nicht mehr, welche Mengen dahinterstecken“, so Schilling. Sie erschrecke sich jedes Mal wieder, wenn Sattelschlepper die Objekte kistenweise ankarren.

Knapp 20 Kilometer entfernt vom AEZ, in der Werbeagentur Curtius Lütten in Altona, ist die meiste Arbeit zu diesem Zeitpunkt schon längst erledigt: Die Flyer sind verschickt, die Plakate gedruckt und die Aufkleber fixiert. Weihnachtsstress hat die Agentur, die für das AEZ die Werbelinie erarbeitet, grundsätzlich im Sommer. Dann finden die ersten Sitzungen mit Center-Management, Werbebeirat und Dekorationsfirma statt, erste Motive und Entwürfe werden gestaltet, präsentiert und aufeinander abgestimmt. „Wichtig ist, dass die Werbelinie stringent ist und ein großes Ganzes ergibt“, sagt Geschäftsführer Kirk Lütten. Geworben wird über verschiedene Kanäle: auf Plakaten, Fahnen und Aufklebern, per Funkspots im Radio und über Bannerwerbung im Internet. Lütten und sein 16-köpfiges Team können sich austoben. „Weihnachten ist für uns das größte Event des Jahres“, sagt der Agenturchef. „Da werden alle Register gezogen.“ Einschränkungen gebe es aber trotzdem: „Setzt man das Traditionsfest zu modern um, finden das einige Center-Besucher nicht mehr weihnachtlich genug.“

Seit zehn Jahren arbeitet die Altonaer Agentur für das AEZ. „Zielsetzung ist natürlich immer, mit den Kampagnen die größtmögliche Aufmerksamkeit zu erreichen“, sagt Kirk Lütten. So hat man sich in diesem Jahr für Schauspielerin Eva Habermann als Werbemodel entschieden. Die Hamburgerin, die in der Nähe des Einkaufszentrums wohnt, soll laut Lütten auch selbst oft vor Ort sein, um Einkäufe zu erledigen. In der Weihnachtszeit ist sie schon fest für Autogrammstunden ein­geplant. Lüttens Agentur arbeitet für sieben weitere Einkaufszentren, die wie das AEZ zur Betreiberfirma ECE gehören. „Das macht zusammen achtmal Weihnachten“, scherzt er. Aber jetzt ist erst einmal Pause: „Bis es wieder losgeht, kommt noch achtmal Ostern.“

Gegründet hat die ECE Versandhauspionier Werner Otto im Jahr 1965. Inzwischen hat sie sich zum europäischen Marktführer auf dem Gebiet innerstädtischer Shoppingcenter entwickelt. Das Unternehmen verwaltet derzeit 116 Einkaufszentren mit über 3,5 Millionen Quadratmetern Verkaufsfläche und rund 12 000 gewerblichen Mietern. In Hamburg gehören neben dem AEZ auch das Billstedt-­Center, das Elbe-Einkaufszentrum, die Europa Passage, die Hamburger Meile, das Hanseviertel und das Phoenix-Center in Harburg zur ECE. Das Alstertal-Einkaufszentrum wurde im Jahr 2006 für 125 Millionen Euro umgebaut und erweitert. Mit 240 Mietern und einer Verkaufsfläche von insgesamt 60 000 Quadratmetern gehört es heute zu den größten Einkaufszentren Norddeutschlands.

Einer der Hauptflächenanbieter im AEZ ist die Galeria Kaufhof GmbH. Dieter Zeih, seit 2006 Geschäftsleiter der Poppenbüttler ­Warenhaus-Filiale, ist zugleich Vorsitzender der AEZ-Werbegemeinschaft. Aufgrund der großen Verkaufsfläche von 12 000 Quadratmetern steht Galeria Kaufhof ein ständiger Sitz in der Werbegemeinschaft zu. Auf vier Sitzungen pro Jahr werden die werblichen Budgets festgelegt. „Früher nahmen Printanzeigen den größten Anteil ein“, erzählt Zeih. „Seit 2006 investieren wir zunehmend auch in Radiowerbung.“

Für die Dekoration innerhalb der Läden und die Präsentation auf dem Weihnachtsmarkt sind die jeweiligen Geschäfte selbst verantwortlich. Bei Galeria Kaufhof sah es schon Ende Oktober richtig weihnachtlich aus: 30 Tannenbäume, 1 800 LED-Lampen für den „Lichter-Himmel“ und 200 Deko-Pakete wurden dafür im Vorfeld beschafft. Zusätzliches Personal hilft in den Adventswochen beim Einpacken der Geschenke und bei speziellen Weihnachtsaktionen. Großer Aufwand, viel Mühe und Planungsarbeit. Wenn es im ­Dezember aber wieder Zehntausende ins AEZ zieht, die sich über das festliche Ambiente freuen, dann hat sich der Aufwand auf jeden Fall gelohnt.
Juliane Kmieciak
juliane.kmieciak@hk24.de
Telefon 36138-563
hamburger wirtschaft, Ausgabe Dezember 2010