Handelskammer Hamburg 2010

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Einzelhandel

Richtig schenken

Die hamburger wirtschaft zeigt, was bei den Hamburgern so alles unter dem Weihnachtsbaum landet – und was in diesem Jahr besonders angesagt ist.
Früher war alles anders. Da gab es eine Kleinigkeit, etwas Selbst­gebasteltes vielleicht oder Süßigkeiten. Heutzutage greifen die Menschen schon tiefer ins Portemonnaie, um ihren Lieben zu Weihnachten eine Freude zu bereiten. Für den Einzelhandel sind die Wochen vor dem Fest darum die wichtigsten des Jahres. Angesichts guter Konjunkturprognosen blickt der Hamburger Einzelhandel optimistisch auf das Weihnachtsgeschäft. Das ergab eine Umfrage in der jüngsten Sitzung des Branchenausschusses. Vor allem in der Adventszeit sind Kunden unter dem Strich eher dazu bereit, hochwertig und hochpreisig einzu­kaufen, als zu jedem anderen Zeitpunkt des Jahres. Im Schnitt, so ermittelte kürzlich die Shopping-Suchmaschine „Twenga.de“, liegt das Geschenkbudget vo­raussichtlich bei 270 Euro pro Person.

Das bestätigt auch Kirsten Landt, Filialleiterin der Thalia-Buchhandlung in der Spitalerstraße: „Zu Weihnachten entscheiden sich viele Kunden für edel gebundene Ausgaben und schöne, großformatige Bildbände.“ Zum Fest geht es schließlich nicht nur darum, dass die Produkte praktisch sind, sondern besonders auch um eine ansprechende Optik. Zum Traditionsfest besinnen sich in der Buchhandlung viele Kunden wieder auf klassische Werke. „Thomas Mann, Hemingway und Tolstoi laufen jedes Jahr gut“, berichtet Landt, die seit mehr als 30 Jahren im Buchhandel tätig ist. Dieses Jahr rechnet sie mit einem großen Verkaufserfolg des Thalia ­E-Book-Readers „Oyo“, der erst im Herbst auf den Markt gekommen ist: „Mit einem Preis von knapp 140 Euro ist das tragbare Lesegerät sehr preiswert, zudem überzeugen Lese- und Nutzerfreundlichkeit.“ Was in der Buchhandlung ein Roman von ­Thomas Mann ist, ist beim Herrenausstatter Willhoeft in Bergedorf der Schlafanzug. „Pyjamas werden zu Weihnachten traditionell gern verschenkt“, sagt Inhaberin Martina Willhoeft. Das Bekleidungsfachgeschäft hat schon so einige Vorweihnachtswochen auf dem Buckel, schließlich gibt es den Herrenausstatter seit 1837. Martina Willhoeft erlebte bei ihren Kunden in den vergangenen Jahren veränderte Kaufgewohnheiten. Früher, sagt sie, hätten die Leute schon im November mit den Weihnachtseinkäufen begonnen. ­Inzwischen ist das oft erst Anfang Dezember der Fall. Sie rechnet damit, dass in diesem Jahr schmal geschnittene Hemden sehr gefragt sind, besonders in Beeren- und Fliederfarben. Ringe, Armreifen, Ketten und Ohrringe – bei Damen seit jeher sehr beliebt. Tina Be­necke, Inhaberin des Juweliers Sönnichsen am Neuen Wall, freut sich, dass sich viele Frauen ihren Schmuck heutzutage oft selbst kaufen, anstatt ihn sich nur schenken zu lassen. „Ich wünsche mir aber, dass Schmuck auf der Weihnachtswunschliste wieder weiter nach oben rückt“, sagt sie. Ein Schmuckstück sei schließlich Ausdruck von Identität, Wertschätzung, Belohnung und auch Status. Besonders individuell gefertigte Stücke seien mehr als nur Accessoires. In der Schmuckbranche gibt es ebenfalls Klassiker wie zum Beispiel die Perlenkette. Die moderne Variante des Dauerbrenners wird mit neuen Materialien kombiniert. „Wenn echte Perlen mit zum Beispiel Kunststoff oder Leder ver­arbeitet werden, haben sie nichts mehr mit der Perlenkette aus Omas Schmuckkiste zu tun“, so ­Benecke.

Da Weihnachten zumindest in Deutschland in die Winterzeit fällt, liegt der Gedanke nahe, etwas Wärmendes zu schenken. Im Hut- und Mützengeschäft Falkenhagen in der Großen Johannisstraße beispielsweise gibt es davon jede Menge. Darunter auch jene Kopfbe­deckung, die der moderne Mann schon vor 150 Jahren trug: den Borsalino. Vielleicht prominentester Träger dieses Hutes, der nach wie vor ein Verkaufsschlager ist, war Humphrey Bogart, weshalb er auch „Bogart-Hut“ genannt wird. Seit einiger Zeit legen zunehmend auch junge Männer Wert auf den angesagten Kopfwärmer. Hollywoodstars wie Brad Pitt, Matt Damon und Ben Affleck gingen voran, der deutsche Pop- und Jazzmusiker Roger ­Cicero zog nach, und viele andere tun es ihm gleich. „Trilbys“ hingegen heißen die kleinen Hüte mit der schmalen Krempe. „Im Grunde genommen sind es die gleichen Hüte, die auch schon mein Großvater getragen hat“, sagt Sabine Falkenhagen, Inhaberin des Hut- und Mützengeschäftes. „Für Damen liegen Chapkas, eine Mischung aus Flieger- und ­Russenmütze, im Trend.“ Und wer es auf dem Kopf doch lieber klassisch mag, für den gibt es nach wie vor die Strickmütze. Mit man­chen Geschenken liegt man einfach ­immer richtig.
Juliane Kmieciak
juliane.kmieciak@hk24.de
Telefon 36138-563
hamburger wirtschaft, Ausgabe Dezember 2010