Handelskammer Hamburg 2010

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Commerzbibliothek

Neues Gewand für alte Schätze

Viele historische Bücher aus der Commerzbibliothek sind kostbare Zeitzeugen. Nun brauchen sie dringend eine Restaurierung. Buchpaten könnten helfen.
Die Commerzbibliothek der Handelskammer hat in ihrer langen Geschichte zahlreiche wertvolle Bücher erworben. Die sind nicht nur ein Ausdruck der Sammelleidenschaft von Hamburger Kaufleuten, sondern auch Abbild der in 275 Jahren oft gewechselten Orte und Geschicke der Bibliothek. So sieht man der „Monatsschrift für Gemeinnützigkeit und Unterhaltung“ aus dem 19. Jahrhundert an, dass sie den Bombenangriff 1943, der auch die damalige Heimat der Commerzbibliothek – das ­Johanneum – zerstörte, leibhaftig miterlebt hat. Schwarz und verkohlt ist der obere Buchrand, bei der kleinsten Berührung bröckeln die Seiten. Der „Atlas Klefeker“ dagegen, die Kartensammlung des Hamburger Syndikus Johann Klefeker (1698–1775), ist dem großen Hochwasser von 1962 ausgesetzt gewesen. Wasserränder zeichnen die Seiten, an manchen Stellen ist die Farbe verlaufen. Feuer (vermutlich der Brand von 1843) und Wasser hat dagegen das „Missale“ aus dem 16. Jahrhundert erlebt, dessen Pergamentseiten sich so sehr wellen, dass der Band aufklafft wie eine Ziehharmonika. Säurefraß, der das Papier von innen zerstört, setzt der umfangreichen und vielgenutzten Sammlung der Hamburger Adressbücher zu. Ist man nicht vorsichtig, zerfallen die Seiten in den Händen. An manchen ­Büchern haben die Mäuse genagt wie zum Beispiel an Cramers „Denkwürdiges aus dem Leben der Aurora von Königsmarck“ von 1836. An anderen Bänden, beispielsweise an den „Anmerkungen zur Hamburger Gerichtsordnung“ von 1692, taten sich Holzwürmer gütlich, denen auch der Leim gut schmeckte. So erzählen selbst die Schäden an den Büchern eine Geschichte aus der Vergangenheit und könnten als Zeitzeugen dienen. Dennoch müssen sie beseitigt werden, um die Bände zu erhalten. Die Commerzbibliothek und die Stiftung Hanseatisches Wirtschaftsarchiv, die heute einen Teil der alten Bücher verwaltet, möchten gemeinsam und mithilfe des Fördervereins für Hamburger Wirtschaftsgeschichte die wertvollen Bestände retten.

Ein Buch ist nicht bloßes Wissen auf Papier zwischen zwei Deckeln. Denn die handwerkliche Buchbinderarbeit ist ein Abbild ihrer Zeit und macht die Zeitzeugnisse auch als haptisch erlebbare Güter erfahrbar. Eine sachgerechte Restaurierung ist immer mit erheblichem finanziellen Aufwand verbunden, der von der Commerzbibliothek und der Stiftung Hanseatisches Wirtschaftsarchiv nicht allein getragen werden kann. Deshalb haben beide Institutionen ein Buchpatenschaftsprojekt unter der Schirmherrschaft von Wirtschaftssenator Axel Gedaschko ins Leben gerufen. Die hier genannten sowie 54 weitere besonders gefährdete Werke wurden ausgewählt und suchen nun Paten, die bereit sind, die Kosten einer Restaurierung zu übernehmen oder sich da­ran zu beteiligen. Die Paten können so einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung einmaliger Kulturgüter leisten. Nähere Informationen sowie die Liste der „Patenkinder“ unter www.hk24.de/buchpaten.
Kathrin Enzel
kathrin.enzel@hk24.de
Telefon 36138-517
hamburger wirtschaft, Ausgabe März 2010