Handelskammer Hamburg 2010

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Ausstellung

Einladung zu einer Zeitreise

Im Jahr ihres 275-jährigen Bestehens lässt die Commerzbibliothek
in einer Jubiläumsausstellung ihre Geschichte lebendig werden: Mit
Buchschätzen, nautischen Instrumenten und Hörstationen.
Eine Reise nach Madagaskar ist eine aufwendige Angelegenheit. Aber wenn ­Besucher in die Ausstellung „275 Jahre Commerzbibliothek“ kommen, sind sie mit der „Holländischen Schifffahrt“ innerhalb weniger Sekunden auf Madagaskar und treffen die Ureinwohner. Natürlich handelt es sich „nur“ um eine Reisebeschreibung von Levin ­Hulsius, die die Commerzbi­bliothek vor rund 275 Jahren für ihre Leser gekauft hat. Aber wer an den neuen Hörstationen der Ausstellung Hulsius anwählt, der fühlt sich sofort ins Madagaskar des Jahres 1595 zurückversetzt. Und genau das möchte die Ausstellung: ihre Besucher auf eine Zeitreise durch die Geschichte der Commerzbibliothek mitnehmen.

In der Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit der Stiftung Hanseatisches Wirtschaftsarchiv entstand, werden historische Schätze und Kostbarkeiten wie der „Adam Ries“ und der „Brief des Columbus“ gezeigt. Beide Exponate sind besonders wertvoll, denn vom gezeigten „Adam Ries“ gibt es weltweit nur noch zwei Exemplare – und vom „Brief des Columbus“ nur noch rund zehn.

Der Ausstellungsschwerpunkt liegt vor allem auf den Ursprüngen der Commerzbibliothek: farbenprächtige Atlanten, reichhaltig illustrierte Reisebeschreibungen, Werke zur Schifffahrtskunde und nautische Instrumente. Was viele heute nicht mehr wissen: Die ­Bibliothek hat anfangs nicht nur Bücher, sondern auch nautische, mathematische und ­astronomische Instrumente gesammelt – meist besonders schöne und kostbare Stücke. Sie wurden zwar im Lauf der Geschichte aus Platzgründen abgegeben, doch mit Unterstützung des Museums für Hamburgische ­Geschichte können in der Ausstellung einige ­seltene Instrumente gezeigt werden. Glanzstück ist ein sogenanntes Astrolabium, ein „Stern-Nehmer“, wie es die Bibliothek 1773 kaufte. Aber auch ein Kompass, ein geometrisches Besteck und Kornmaße werden ­gezeigt. Natürlich dürfen auch für die Bibliothek ­wichtige Dokumente nicht fehlen. Unter ­anderem sind das Gründungsprotokoll, his­torische Leihscheine und der imposante ­„Manchester-Katalog“ zu sehen. Einige ­Bücher sind stille Zeitzeugen einer Ära, in der die Buchherstellung noch ein kunstvolles Handwerk war.

Doch Bücher entfalten ihre Wirkung nicht allein beim Anschauen. Sie werden erst ­lebendig, wenn man die Texte auch lesen oder hören kann. Um bei den Besuchern möglichst viele Sinne anzusprechen, sind insgesamt zwölf exemplarische Texte aus Büchern der Commerzbibliothek an zwei neuen Media­stationen zu hören. So kann man in gemüt­lichen Sesseln bequem durch die Jahrhunderte reisen und anschließend wieder im Hier und Jetzt ankommen. In den Schubladen der großen Schauvitrine finden sich auch Bücher aus dem aktuellen Bibliotheksbetrieb. Sie zeigen, wie konsequent einige Sammlungs­gebiete der Bibliothek bis ins 21. Jahrhundert fortgeführt werden, weil sie noch immer aktuell für die Wirtschaft sind. Schließlich war die Bibliothek einst mit dem Ziel ins Leben ­gerufen worden, die für die Aus- und Fortbildung der Großhandels- und Überseekaufleute notwendige Literatur zu sammeln und öffentlich zugänglich zu machen. Von Kaufleuten für Kaufleute. Das hat sich auch in 275 Jahren nicht geändert.
Dagmar Groothius
dagmar.groothius@hk24.de
Telefon 36138-527
hamburger wirtschaft, Ausgabe April 2010