Handelskammer Hamburg 2010

< zurück

Hamburger Morgensprache

Gelebte Tradition

Die Rückbesinnung auf die Geschichte der Hanse im 13. Jahrhundert und der Blick in die Wirtschaftsgeschichte der Zukunft bildeten den Rahmen der Hamburger Morgensprache.
„Cheese and Bread!” Der Wahlspruch der Hamburger Morgensprache, der am Abend des 4. Juni wiederholt durch den Börsensaal der Handelskammer tönte, war einst für ausländische Kaufleute der Hanse, die in London ihren Geschäften nachgingen, überlebenswichtig. Denn zu Beginn der Hansezeit sicherte ihnen in der britischen Hauptstadt die akzentfreie Aussprache der Worte „Cheese and Bread!“ bei Übergriffen vielfach das Leben. Daran jedoch soll die Hamburger Morgensprache nicht erinnern. Vielmehr möchte sie unter dem Motto „Freiheit des Geistes, der Chancen und des Handels“ die reichen hanseatischen Traditionen ins Bewusstsein rufen und sie pflegen sowie die vielen Gäste der Festveranstaltung unterhalten.

Mit der Hamburger Morgensprache wird an die Hamburger Kaufleute erinnert, die im 13. Jahrhundert vom englischen König das Recht erhielten, im Londoner „Stalhof“ ein eigenes Kontor zu betreiben. Diese erste „Schutzgemeinschaft“ begründete die Hanse und die kaufmännische Selbstverwaltung. Der Kontorvorstand traf sich einmal im Jahr zur sogenannten Morgensprache. Den offiziellen Teil bildeten Wahlen und Aussprachen, den geselligen ein Festmahl, bei dem Reden gehalten wurden.

Entsprechend der historischen Gepflogenheiten bildeten auch bei der Hamburger Morgensprache die Wahlen des Kontorvorstandes den Auftakt des Abends. Handelskammer-Altpräses Dr. Karl-Joachim Dreyer wurde vom Vorstand in seinem Amt als Ältermann für ein weiteres Jahr bestätigt. Für den aus dem Kontorvorstand ausgeschiedenen Walter Stork hatte sich das zwölfköpfige Gremium bereits beim Störtebekermahl Ende Januar für Nikolaus Broschek als Nachfolger entschieden, der während der Veranstaltung bestallt wurde. Josef Katzer, Präsident der Handwerkskammer, folgte Handwerkskammer-Altpräsident Peter Becker, der ebenfalls aus dem Kontorvorstand ausgeschieden ist, als zweiter Bannerträger nach. Großes Schmunzeln und Applaus erntete der Kontorvorstand, als er humorvolle Nachrichten mit aktuellem Bezug szenisch vortrug.

Während des Festmahls warb die Ministerin für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration des Landes Niedersachen, Aygül Özkan, in ihrer „Hamburg“-Rede für die Schaffung einer bedarfsorientierten Infrastruktur in Norddeutschland. Die Ministerin sicherte zu: „Es vergeht keine Kabinettssitzung, in der ich das Thema Fahrrinnenanpassung nicht thematisiere.“ Besonderen Eindruck hinterließ Hans-Ulrich Klose, Koordinator der deutsch-amerikanischen Beziehungen im Bundesaußenministerium und ehemaliger Hamburger Bürgermeister, mit seiner „Atlantik“-Rede. Darin zeichnete er ein differenziertes Bild der transatlantischen Beziehungen der vergangenen Jahre und hob die Bedeutung der engen Zusammenarbeit für Deutschland und die USA hervor: „Ohne die Unterstützung durch die amerikanische Administration hätte es die deutsche Wiedervereinigung vermutlich nie gegeben.“ Für seine besonderen Verdienste um die transatlantische Verständigung wurde Klose mit dem „German-American Friendship Award“ ausgezeichnet, den die Handelskammer gemeinsam mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag vergibt.

Wie immer diente die Morgensprache einem guten Zweck: Die Gäste spendeten über 15 000 Euro für das Auswanderermuseum „Ballinstadt“. Mit dem Geld soll eine Zwischendecksituation aus dem Jahr 1880 nachgebildet werden, um die damaligen beengten Verhältnisse bei einer wochenlangen Schiffspassage von Hamburg in die USA zu veranschaulichen. Musikalisch abgerundet wurde die Morgensprache mit einer spritzigen Einlage des Hamburger Damenquartetts „Salut­Salon“, bevor der Abend bei Käse und Brot ausklang.
Adrian Ulrich
adrian.ulrich@hk24.de
Telefon 36138-214
hamburger wirtschaft, Ausgabe Juli 2010