Handelskammer Hamburg 2010

< zurück

Knaack AG

Hebekünstler

Ob im Hafen, im Volkspark oder in der Speicherstadt: Die gelben Knaack-Krane gehören zum Hamburger Stadtbild. Günter Knaack hat das Unternehmen 1963 gegründet, heute führt er die AG gemeinsam mit Sohn Matthias.
Die 7500 Kilogramm schwere Jahrtausendglocke aus dem Michelturm hieven und 43 Meter tiefer sicher verladen? Kein Problem! Für so ein Glöckchen braucht Matthias Knaack allenfalls den mittelstarken Arm. Für seinen 220-Tonner eher eine kleine Übung. 40 rollende gelbe „Hebekünstler“ mit einer Traglast zwischen 20 und 500 Tonnen strecken für Knaack ihre bis zu 84 Meter langen Teleskop-Ausleger in den Hamburger Himmel.

Und es geht noch gewaltiger. Knaacks neueste Errungenschaft ist der „LR 1600“, ein Gittermast-Raupenkran mit einer Mastlänge von 162 Metern. Der wuchtet noch 100 Tonnen mehr in die Vertikale, rollt dafür aber nicht mehr selbst: Der König unter den Kranen kommt zur Audienz, zerlegt in seine Einzelteile – und auf 50 Lastwagen. Drei Tage dauert es, um den Koloss nach jedem Transport wieder zusammenzubauen. Matthias Knaack schmunzelt: „Das ist aber vermutlich auch eines der schwersten Puzzle der Welt.“

Wohl auch eines der teuersten: Gut und gern fünf Millionen Euro muss der 38-jährige Unternehmer in einen solchen Koloss investieren. Summen, von denen bei der Firmengründung noch keine Rede war. 1963 fing Vater Günter als Fuhrunternehmer an. Der gelernte Schlosser arbeitete hart und viel, doch seinen ersten Kran kaufte er erst 1966. Danach ging es aufwärts mit dem Familienbetrieb. 1980 folgte der Umzug nach Wilhelmsburg an den Pollhornbogen 17, wo die Knaack-Krane bis heute zu Hause sind.

Vor knapp 20 Jahren stieg Sohn Matthias ins elterliche Unternehmen ein. „Das ging ganz selbstverständlich, da bin ich so reingewachsen“, sagt Knaack junior, der seine Entscheidung vorher nie bezweifelt und hinterher nie bereut hat. Auch den Senior freute es, konnte er doch allmählich ein bisschen kürzer treten.

Viel zu tun ist immer, selbst von der Krise im Vorjahr war kaum etwas zu spüren. „Einen Kran braucht ja jeder mal, egal ob Häusle­bauer, Handwerker, Industrie, Behörden oder Polizei“, beschreibt Knaack seine Kunden. Dafür braucht das Unternehmen 100 Mitarbeiter, einige davon rund um die Uhr. Einsatzgebiet ist der Großraum Hamburg, aber nicht nur: Knaack-Krane sind mittlerweile in vielen Ländern Europas unterwegs.

Und das Unternehmen hat sein Angebot erweitert. Neben einem Werkstattservice und Waschhallen bietet Knaack seinen Kunden zum Beispiel auch Hebebühnen, Arbeitskörbe und Gabelstapler an und übernimmt zudem mit Schwerlastkolonnen knifflige Transporte. Dabei sind die Anforderungen im Kerngeschäft schon vielfältig genug. Krane (nur Laien sprechen übrigens von Kränen) helfen beispielsweise beim Bau von Windkraftanlagen und Brücken oder heben tonnenschwere Motoren in Schiffsbäuche.

Kranführer müssen Spezialisten mit viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl sein, besonders wenn mehrere Krane am Werk sind. Für deren Aus- und Weiterbildung sorgt die Knaack AG selbst. Erfahrung zahlt sich aus, denn sie sorgt nicht nur für Erfolg, sondern auch für die Sicherheit des Unternehmens, das nach ISO 9001 und SCC (Sicherheits-Certifikat-Contractoren) zertifiziert ist. „Wir hatten bei uns noch keinen einzigen Unfall mit Todesfall“, sagt Knaack, und jetzt sind Befriedigung und Stolz in der Stimme nicht zu überhören.

Wolfgang Ehemann
wolfgang.ehemann@hk24.de
Telefon 36138-305

hamburger wirtschaft, Ausgabe Oktober 2010