Handelskammer Hamburg 2010

< zurück

Industrie

Die Zukunft liegt an der Küste

Warentransporte mit dem Schiff sind günstiger als jene über Land. Industrieunternehmen könnten erhebliche Kosten einsparen, wenn sie ihre Produktionsstätten an seeschifftiefes Wasser verlegen.
Acht Jahre ist es her, seit die Arbeitsgemeinschaft Wirtschaftsraum Unterelbe in Brunsbüttel zum ersten Mal eine Standortkonferenz abgehalten hat. In Stade haben die Industrie- und Handelskammern Flensburg, Kiel und Stade sowie die Handelskammer Hamburg den überregionalen Zusammenschluss zahlreicher Wirtschafts- und Politikinstitutionen nun wiederbelebt. Die zweite Standortkonferenz der Arbeitsgemeinschaft diente vor allem dem Ziel, das Konzept des ­gemeinsamen Positionspapiers „Industriegebiete im Zeitalter der Globalisierung: Die Zukunft liegt an der Küste!“ der Kammern Hamburg, Schleswig-Holstein und Stade weiterzuentwickeln.

Das Konzept geht von folgender Ausgangslage aus: Die Globalisierung führt zu einer sich stetig intensivierenden internationalen Arbeitsteilung, die Wohlstand und Beschäftigung mit sich bringt. Das auf diese Weise wachsende Weltsozialprodukt führt zu einer starken Zunahme des Welthandels- und damit des Welttransportvolumens. Mehr als 90 Prozent des internationalen Warenhandels werden über den Seeweg abgewickelt. Leistungsfähige Transportketten – allen voran die Containerschifffahrt – ermöglichen diese Entwicklung. Obgleich die Kosten in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken sind, blieben zum Teil deutliche Kostenunterschiede zwischen den einzelnen Verkehrsträgern bestehen. Heute ist die Warenbeförderung über Land erheblich teurer als die mit dem Schiff. Bei einem Transport von München über Hamburg nach Hongkong zum Beispiel fallen 80 Prozent der Kosten auf dem Landweg an, obwohl dieser nur 3,4 Prozent der Gesamtstrecke ausmacht. Dabei handelt es sich allerdings nur um Treibstoff- und Fahrzeugkosten, hinzu kommen noch jene Kosten, die beispielsweise durch Staus entstehen oder durch Kohlendioxid- und Lärmemissionen.

Für Industrieunternehmen mit hoher Im- und/oder Exportverflechtung kann es daher von Vorteil sein, ihren Standort direkt an seeschifftiefes Wasser in Hafennähe zu legen, um den relativ teuren Landtransport einzusparen. Der Wirtschaftsraum Unterelbe könnte diese Ausgangslage zur Ansiedlung von Industriebetrieben nutzen. Voraussetzung sind multifunktionale Hafenanlagen mit angeschlossenen Gewerbeflächen, die im Verbund im In- und Ausland vermarktet werden müssten. Wichtig für den Erfolg dieses Konzeptes sind auch leistungsfähige Hinterlandanbindungen. Für Handelskammer-Hauptgeschäftsführer Prof. Hans-Jörg Schmidt-Trenz besteht kein Zweifel: „Die Industrie gehört an die Küste!“ Deshalb wird die ­Arbeitsgemeinschaft Wirtschaftsraum Unterelbe weiter daran arbeiten, um die Renaissance der Industrie an der Küste Wirklichkeit werden zu lassen.

Malte Heyne
malte.heyne@hk24.de
Telefon 36138-310

Informationen


Das gemeinsame Positionspapier „Industriegebiete im Zeitalter der Globalisierung: Die Zukunft liegt an der Küste!“ der drei Industrie- und Handelskammern Hamburg, Schleswig-Holstein und Stade unter www.hk24.de.

hamburger wirtschaft, Ausgabe Dezember 2010