Handelskammer Hamburg 2010

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IHK Nord

Maritime Wirtschaft hat nationales Gewicht

Die Bedeutung der Maritimen Wirtschaft für ganz Deutschland wird oft unterschätzt. Die IHK Nord will das ändern. Den Auftakt bildete eine Veranstaltung mit der IHK Schwaben in Augsburg.
Mit rund 400 000 Beschäftigten und ­einem Umsatzvolumen von etwa 64 Milliarden Euro ist die Maritime Wirtschaft in Deutschland doppelt so groß wie das Kreditgewerbe oder die Mineralölindustrie. Ein Großteil der Wertschöpfung wird in Süddeutschland erbracht, wobei die Bedeutung der Maritimen Wirtschaft oft unterschätzt wird. Ändern möchte das die IHK Nord, der ­Zusammenschluss von 13 norddeutschen ­Industrie- und Handelskammern. Gemeinsam mit der IHK Schwaben hat die IHK Nord in Augsburg die Informationsveranstaltung „Die nationale Bedeutung der Maritimen Wirtschaft“ ausgerichtet, an der auch Jochen Homann, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, teilnahm.

Frank Horch, Vorsitzender der IHK Nord, ist überzeugt: „Die Maritime Wirtschaft ist ein bundesweites Netzwerk und ein Wachstumsmotor für die deutsche Volkswirtschaft. Sie ist keine Exklusivangelegenheit der Küste, sondern bundesweit mit vielen Branchen eng verflochten.“ Denn zur Maritimen Wirtschaft gehören nicht nur die deutschen Seehäfen und die dort angesiedelte Industrie, sondern auch die im Süden beheimatete Schiffbauzulieferindustrie, die Offshore-Windenergie, die Meerestechnik, der maritime Tourismus, die Aquakultur und die blaue Biotechnologie. Darum fordert Horch den Aufbau eines bundesweiten Clusters „Maritime Technologien“: „Dies wäre ein wichtiger Schritt, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen zu steigern.“

Dr. Andreas Kopton, Präsident der IHK Schwaben, sieht das nicht anders: „Für einen Produktionsstandort wie Bayerisch-Schwaben ist die Anbindung an internationale Verkehre und damit eben gerade auch der Zugang zu den großen Seehäfen von elementarer Bedeutung.“ Doch nicht nur die außenhandelsorientierte Industrie braucht Zugang zu den Weltmärkten. Mit MAN sitzt ein zentrales Unternehmen der Mari­timen Wirtschaft in Bayerisch-Schwaben. Dr. Stephan Timmermann, Vorstandsmitglied der MAN Diesel und Turbo SE, betont: „Als Hersteller von Schiffsdieselmotoren haben wir von der Globalisierung profitiert: Die Hälfte des Welthandels wird heute mit MAN-Motoren bewegt.“ Der Seehandel bleibe auf lange Sicht alter­nativlos. Er sei – ­betrachte man den Emissionsausstoß pro transportierter Tonne und Kilometer – die bei Weitem umweltfreundlichste Transportart.

Auch Schleswig-Holsteins Minister für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr, Jost de Jager, weiß, dass die deutsche Exportstärke wesentlich auf einem offenen Tor zur Welt beruht: „Unsere Seehäfen verbinden deutsche Unternehmen mit den Weltmärkten, sichern über Rohstoff- und Energieimporte den Produktionsstandort Deutschland und sorgen für nachhaltige Mobilität. Zuverlässig erreichbare und leistungsfähige Seehäfen schaffen bundesweit ­Arbeitsplätze, weil Industrie und Handel im süd-, west- und ostdeutschen Raum auf einen kostengünstigen Zugang zu den Weltmärkten angewiesen sind.“

Die IHK Nord hat Rahmenbedingungen formuliert, mit denen die Maritime Wirtschaft in eine Rolle hineinwachsen kann, wie sie die Automobilindustrie und der ­Maschinenbau heute bereits einnehmen. Deutschland, so heißt es dort, solle eine Vorreiterrolle im Eintreten für offene Märkte und gegen protek­tionistische Tendenzen einnehmen. Dagegen müssten politische Alleingänge auf deutscher und europäischer Ebene, etwa bei Vorgaben zum maritimen Klimaschutz, vermieden werden. Die mit Offshore-Windparks verbundenen Hoffnungen auf nachhaltige Energieversorgung, so die IHK Nord weiter, erforderten einen adäquaten Netzanschluss. Die hierfür anfallenden Kosten müssten im Sinne der Wettbewerbsgleichheit bundesweit umgelegt werden. Die Förderung maritimer und meerestechnischer Innovationen müsse weiter intensiviert werden, um die Innovationskraft des Sektors noch zu steigern. Um deutsche Unternehmen weiterhin schnell und kostengünstig mit den Weltmärkten zu verbinden, sei der anforderungsgerechte Ausbau der seewärtigen Zufahrten deutscher Seehäfen erforderlich. Das „Nationale Hafen­konzept“ der Bundesregierung müsse aus Sicht der IHK Nord zügig umgesetzt werden. Zur optimalen Nutzung der vorhandenen Infrastruktur müssten sich alle Beteiligten der Transportkette – Hafenwirtschaft, öffentliche Verwaltung, Spediteure und verladende Wirtschaft – an „Port 24/7“ orientieren und eine Abfertigung 24 Stunden am Tag, jeweils sieben Tage die Woche an­streben.

Malte Heyne
malte.heyne@hk24.de
Telefon 36138-310

Informationen


„Die nationale Bedeutung der Maritimen Wirtschaft“ gibt es auch als Magazin unter www.ihk-nord.de

hamburger wirtschaft, Ausgabe Dezember 2010