Handelskammer Hamburg 2010

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Verkehrsträger

Binnenschifffahrt stärken

Ob auf Wasser, Straße oder Schiene – für Transporte zum Hamburger Hafen und aus dem Hafen heraus stehen alle Verkehrsträger bereit. Das Binnenschiff allerdings wird bislang mit Abstand am wenigsten genutzt.
Hamburg verfügt nach Duisburg und Köln über den drittgrößten Binnenhafen Deutschlands. Per Binnenschiff gelangten 2009 etwa elf Millionen Tonnen Güter in den Hafen hinein und aus dem Hafen heraus, was zwölf Prozent aller im Hinterlandverkehr transportierten Güter entsprach. Im Container-Hinterlandverkehr lag der Marktanteil des Binnenschiffes am Modal Split mit etwa 95000 transportierten Containern allerdings nur bei zwei Prozent. Beim diesjährigen Elbschifffahrtstag in Wittenberge werden sowohl die aktuellen als auch die künftigen Rahmenbedingungen der Elbschifffahrtspolitik vorgestellt und diskutiert. Darüber hinaus thematisieren Unternehmensvertreter strategische Möglichkeiten und notwendige Voraussetzungen für eine Stärkung der Binnenschifffahrt auf der Elbe. „Das Binnenschiff muss zukünftig insbesondere bei der Abwicklung des Hinterlandverkehrs des Hamburger Hafens mehr als nur eine Statistenrolle spielen“, sagt Thomas Lütje, Vorsitzender des Vereins zur Förderung des Elbstromgebietes e.V. (VFE) und Geschäftsführer der HHLA Container Terminals GmbH. „Unser Verein hat die Verantwortlichen in Berlin aufgefordert, bis Ende 2010 die für den Ausbau des Marktanteils notwendigen Voraussetzungen – im Wesentlichen eine stabile Fahrrinnentiefe – auf der Elbe zu schaffen.“

Das Bundesverkehrsministerium kündigte denn auch bereits an, bis Ende des Jahres für eine durchgängige und stabile Fahrrinnentiefe von mindestens 1,60 Meter zwischen Hamburg und Dresden zu sorgen. „Die von einigen Umweltorganisationen geäußerte Kritik ist unangemessen und zeugt von einem nach wie vor fehlenden Verständnis für den Umfang der zur Ertüchtigung der Elbe notwendigen Maßnahmen“, so Rolf Lack, stellvertretender VFE-Vorsitzender. „Beispielsweise ist auf der Oberelbe eine Wassertiefe von 1,60 Meter zu 90 Prozent vorhanden und somit nur die Glättung vereinzelter Sandbänke erforderlich, um eine durchgehende Wassertiefe zu erreichen.“ Der etwa 600 Kilometer langen Mittel- und Oberelbe könnte eine deutlich größere Rolle im Güterverkehr zukommen als bislang. Eine stärkere Einbindung der Binnenschifffahrt wäre ökologisch sinnvoll und ökonomisch wettbewerbsfähig, setzt allerdings neben guten Rahmenbedingungen bei der Abfertigung und der Hafeninfrastruktur vor allem stabile Schifffahrtsbedingungen voraus. Derzeit wird die Binnenschifffahrt auf der Elbe durch Niedrigwasserperioden, niedrige Brückenhöhen und Engstellen teilweise erheblich behindert.

Die Verkehrsprognose des Bundesverkehrsministeriums für das Jahr 2025 hat auch nach der jüngsten Finanzmarkt- und Konjunkturkrise noch Bestand, wenngleich die Verkehrsmengen etwas später als ursprünglich geplant erreicht werden dürften. Mit dem aktuellen Modal Split kann das künftige Verkehrswachstum nicht bewältigt werden. Das Binnenschiff ist eine attraktive Ergänzung zu den anderen Verkehrsträgern. Für den Hamburger Hafen bietet das Elbstromgebiet mit seinen freien Kapazitäten eine optimale Verbindung mit den Märkten in Mittel- und Osteuropa. Zwar dauert die Fahrzeit mit Binnenschiffen etwas länger, aber da zum Beispiel Staus auf Wasserstraßen nicht vorkommen, erreichen sie ihren Zielort meist pünktlich.

Im Auftrag der Hamburger Behörde für Wirtschaft und Arbeit (BWA) wurde von der Uniconsult Universal Transport Consulting GmbH eine Studie zur Verkehrsverlagerung auf das Binnenschiff erstellt. Sie sollte Wege aufzeigen, wie der Marktanteil des Binnenschiffes am Modal Split des Hamburger Container-Hinterlandverkehres von zwei auf fünf Prozent gesteigert werden könnte. Anknüpfend an die Studie hat die BWA in Kooperation mit der Logistik-Initiative Hamburg vor einem Jahr den Arbeitskreis „Binnenschifffahrt“ ins Leben gerufen, um die Rahmenbedingungen für die Binnenschifffahrt zu verbessern. In drei Arbeitsgruppen erarbeiten dessen Mitglieder aus Binnenschifffahrt und Hafenwirtschaft konkrete Ideen zu den Themen Hafen Hamburg, Binnenhäfen und Wasserstraßen sowie Transportketten und Logistik. Beim Elbschifffahrtstag am 12. November wird Karl-Heinz Ehrhardt, Leiter des Arbeitskreises, erste Ergebnisse vorstellen.

Claudia Sye
claudia.sye@hk24.de
Telefon 36138-382

Informationen


Alle zwei Jahre veranstaltet der Verein zur Förderung des Elbstromgebietes e. V. (VFE) an wechselnden Orten entlang der Elbe den Elbschifffahrtstag, der in diesem Jahr am 12. November in Wittenberge stattfindet. Der VFE ist ein Zusammenschluss von etwa 100 Unternehmen aus verladender und Verkehrswirtschaft, von Landes- und Kommunalbehörden sowie von regionalen Industrie- und Handelskammern beiderseits der Elbe – einschließlich der Tschechischen Republik. Die VFE-Geschäftsstelle wird von der Handelskammer Hamburg betreut. Ziel des Vereins ist die Förderung der Wasserstraßen und Häfen im Stromgebiet der Elbe, ihrer schiffbaren Nebenflüsse und angrenzenden Kanäle. Weitere Informationen zum VFE und zum Elbschifffahrtstag unter www.elbstromverein.de

hamburger wirtschaft, Ausgabe Oktober 2010