Handelskammer Hamburg 2010

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Krisenmanagement

Rechtzeitig gegensteuern

Eine Unternehmenskrise kommt nicht über Nacht, sondern sie kündigt sich langsam an. Oft werden die ersten Anzeichen übersehen, bis es zu spät ist. Um eine Insolvenz abzuwenden, helfen dann nur noch drastische Maßnahmen.
Es beginnt oft mit Bagatellen: Ein Konkurrenzprodukt erzielt gute Margen, eine wichtige Mitarbeiterin kündigt, ein Lieferant wünscht kürzere Zahlungsziele. Bereits hier den Beginn einer Unternehmenskrise auszumachen, ist schwierig, schließlich kennt jeder Unternehmer prekäre Situationen. Unter Umständen kann es sich um eine Strategiekrise handeln. Bereits in diesem Stadium sollten Schritte unternommen werden, die den Betrieb wieder in ordentliches Fahrwasser bringen. Notwendig ist aber eine grundlegende Analyse sowie Transparenz. Kommunika­tionsexperte Marcus Leiseder, Inhaber der Leiseder Kommunikation Plus GmbH & Co. KG, weiß, dass Kommunikation das A und O ist – auch und gerade in Krisenzeiten. Unabhängig davon, ob das Problem mit der Bank, einem Mitarbeiter oder einem Lieferanten zusammenhängt. Nur mit ehrlichen Worten, so Leiseder, könne das Gegenüber die Situation auch richtig einschätzen.

Oft jedoch wird aus Kleinigkeiten eine ausgewiesene Ertragskrise, in der sinkende ­Gewinne, Absatzverluste und der Aufschub notwendiger Investitionen den Betrieb dominieren. In dieser Phase sollte unverzüglich gehandelt werden. Wichtig ist es, eine grundsätzliche Prüfung zu starten und eventuell einen externen Spezialisten hinzuzuziehen. Der Blick von außen kann erhellend sein, vor allem, wenn Schwachstellen schonungslos aufgezeigt werden. Ein Berater, der nur die Zahlen betrachtet, ist dabei ebenso wenig brauchbar wie ­jemand, der sein Augenmerk ausschließlich auf den Markt richtet.

Auch diese Phase verstreicht oft ohne Konsolidierung. Konnten bislang nur Bank oder ­Finanzamt Anzeichen für eine Schieflage erkennen, ist eine Liquiditätskrise jetzt unabwendbar. Nun erkennen auch Mitarbeiter und Kunden, dass es dem Unternehmen schlecht geht. Die Banken reagieren restriktiv oder kündigen gar Kredite, Lieferanten liefern nur noch gegen Bezahlung, und das Eigenkapital schwindet. Viele Unternehmer versuchen, in einer solchen Situation mit mehreren Bällen gleichzeitig zu jonglieren. Es gilt, Ruhe zu bewahren und drastische Maßnahmen zu ergreifen, um zu retten, was zu retten ist. Ein Krisenberater ist in dieser Situation eine gute Wahl, um den einen oder anderen Ball aufzufangen. Um größeren Schaden abzuwenden, sollten stets Vorkehrungen getroffen werden, die eine negative Unternehmensentwicklung bereits im Vorfeld ausschließen. Dazu gehören unter anderem gutes Controlling, vernünftige Zukunftsplanung und immer auch ein Blick über den Tellerrand.
Gundula Weegh
gundula.weegh@hk24.de
Telefon 36138-425

Informationen

Der Kontakt zur Handelskammer (Ansprechpartnerin Gundula Weegh, Telefon 36138-425, E-Mail gundula.weegh@hk24.de) und zum Hamburger Beratershop (Ansprechpartnerin Elke Adam, Telefon 36138-965, E-Mail info@hamburgerberatershop.de) kann in allen Phasen hilfreich sein, um einer Unternehmenskrise rechtzeitig entgegenzuwirken.


hamburger wirtschaft, Ausgabe Dezember 2010