Handelskammer Hamburg 2009

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Praktika

Chancen geben

Vor allem behinderte und förderbedürftige Jugendliche benötigen für einen erfolgreichen Start ins Berufsleben Unterstützung. Zunehmend bietet sich ihnen die Möglichkeit von Betriebspraktika, um erste Eindrücke in den Berufsalltag zu sammeln.
Viele Unternehmen fragen sich, ob es schwierig sei, behinderte oder förderbedürftige Jugendliche in ein Praktikum aufzunehmen. Fest steht, dass junge Menschen mit individuellen Lern- und Ausbildungshemmnissen für einen erfolgreichen Start ins Berufsleben gezielte Unterstützung brauchen. Die Integration Jugendlicher in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt gehört zu den wichtigsten bildungs-, sozial- und wirtschaftspolitischen Aufgaben. Und schwierig ist es nicht. Immer wieder entstehen Kooperationen an der Schnittstelle von Schule und Beruf zugunsten behinderter oder förderbedürftiger Menschen.

Sebastian* zum Beispiel, Schüler an einer Schule für Geistigbehinderte, hat ein zweiwöchiges Praktikum bei der Hauni Maschinenbau AG in Bergedorf absolviert. Selbstbewusst erklärt er, dass er Botengänge gemacht, die Grünanlagen gepflegt, Transportaufgaben erledigt und die Post sortiert habe. Abends sei er „ein bisschen kaputt und müde“ gewesen. Am Ende seines Praktikums hat Sebastian noch eine Powerpoint-Präsentation über seine Tätigkeit bei Hauni angefertigt. Joachim Schlicht, Ausbildungsleiter des Betriebes, berichtet, die Anfrage einer Schule für Geistigbehinderte sei schon etwas ungewohnt gewesen. Aber er habe bald gemerkt, dass er die richtige Entscheidung getroffen und in Sebastian einen guten Praktikanten gefunden habe. „Wer, wenn nicht wir?“, fasst er das Engagement seiner Firma zusammen. „Schließlich gehört die Förderung benachteiligter Menschen zur Unternehmensphilosophie.“

Die Schule Hirtenweg für Körperbehinderte bietet ihren Schülern in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Unternehmen Praktika nach dem Modell des Praxislerntages. Das bedeutet, dass sie ein bis zwei Tage in der Woche im Betrieb und die übrige Zeit in der Schule lernen. Die Schulstunden orientieren sich an den Erfordernissen der betrieblichen Praxis. Hanna Fischer, Lehrerin an der Schule Hirtenweg, erläutert, dass ihre Schüler ganz unterschiedliche Praktika absolvieren konnten. Eine Schülerin zum Beispiel füllte in einer Textilwerkstatt Stoffpuppen mit Watte und vernähte sie, eine andere arbeitete in einer Großküche mit, wieder andere waren in der Garten- und Landschaftspflege tätig. Viele Firmen bieten schon Praktikumsplätze für behinderte und förderbedürftige Jugendliche an. Schwierig findet das niemand, und Berührungsängste, wenn es sie denn je gab, sind längst überwunden.
Paul Raab
paul.raab@hk24.de
Telefon 36138-456

Internet


Betriebe, die behinderte und förderbedürftige Jugendliche für ein Praktikum aufnehmen möchten, können unterschiedliche Unterstützungsmodelle in Anspruch nehmen. Wie das geht und an welchen Integrationsprogrammen sie sich beteiligen können, erfahren sie bei einer Fachtagung des Aktionsbündnisses für Bildung und Beschäftigung der Stadt Hamburg, die am 29. November stattfinden wird. Weitere Informationen unter www.hk24.de/schule

hamburger wirtschaft, Ausgabe Oktober 2010