Handelskammer Hamburg 2010

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Technologiebarometer

Suchen Sie etwas Bestimmtes?

Falls sich diese Frage auf Recherchen nach dem Stand der Technik bezieht, ist eine professionelle Herangehensweise bei der Suche empfehlenswert.
Der mit Abstand größte Schatz an detailliert beschriebener Technik lässt sich in Patentpublikationen finden. Von denen gibt es inzwischen jedoch so viele, dass die Suche nach einer ganz bestimmten Technik nicht gerade einfach ist – die Datenbank des Europäischen Patentamtes zum Beispiel enthält mehr als 69 Millionen Dokumente aus der ganzen Welt. Ziel einer Patentrecherche ist es, die einer gesuchten Technologie am nächsten stehenden Dokumente zu finden, um beispielsweise die Neuheit einer Erfindung beurteilen zu können. Oder um die eigene „Freedom to Operate“ zu überprüfen, also festzustellen, ob eventuell fremde Patente die eigene Neuentwicklung hemmen.

Da sich aus den Ergebnissen der Patentrecherche unter Umständen wichtige strategische Entscheidungen ergeben, ist die qualitativ hochwertige Suche eine wichtige Basis für unternehmerisches Handeln. Zwar ist es durchaus möglich, Patente auch über Internetsuchmaschinen wie Google zu finden, eine umfassende Recherche allerdings, die mit größtmöglicher Sicherheit den gewünschten Technologiebereich abdeckt, ist nur in speziellen Patentdatenbanken möglich, deren Anwendung meist nur fortgeschrittene Rechercheure beherrschen.

Die Suche mithilfe von Stichworten beispielsweise ist in der Regel unsicher und nicht zielführend: Einerseits sind Patentanmeldungen in vielen verschiedenen Sprachen verfasst, und andererseits kann jeder, der ein Patent anmeldet, Begriffe für die Beschreibung seiner Erfindung verwenden, die er selbst definiert. Hier hilft die „Internationale Patentklassifikation“ – eine technologische Themenordnung, die die Patentämter allen Patentanmeldungen zuordnen. Sie ermöglicht die Recherche nach Technikgebieten, unabhängig von Sprachen und Begriffen.

Das Ergebnis einer Patentrecherche stellt immer nur eine Momentaufnahme im zeitlichen Rückblick auf eine Technik dar. Damit ein Unternehmen im Anschluss an eine Recherche stets über bestimmte Technologien und mögliche Wettbewerber informiert ist, bietet das Innovations- und Patent-Centrum (IPC) der Handelskammer regelmäßige Patentüberwachungen an. Ebenso unterstützt es bei Angelegenheiten rund um die gewerblichen Schutzrechte und das Patentmanagement. Seine patentstatistischen Analysemöglichkeiten wendet das IPC zum Beispiel monatlich an, um mit dem Technologiebarometer die bedeutendsten Technologiebereiche weltweit, für Deutschland und für Hamburg zu beobachten. Die drei Bereiche Medizin/Pharma, Halbleiter sowie Kommunikationstechnologie bleiben unangefochten die technologischen Spitzenreiter weltweit. In Deutschland stehen neben den traditionell starken Fahrzeugthemen die Medizintechnik sowie Datenverarbeitungstechnologien im Vordergrund. In Hamburg dominieren die drei Sparten Flugzeugbau, Kosmetik und Klebstoffe, wobei auch der Bereich Windkraftmaschinen seit einigen Quartalen stetig an Bedeutung gewinnt. Die vom IPC zum „Hamburger Patent des Monats“ gekürte Erfindung soll die Heilung bei der Implantation von Prothesen verbessern: Laut Patentanmeldung „EP2190386/Endoprothesenkomponente“ der Waldemar Link GmbH & Co. werden Endoprothesen mit mehreren speziellen silberhaltigen Beschichtungen versehen, die aufgrund ihrer porösen Nanostruktur eine besonders gute antibakterielle Wirkung bei gleichzeitig hoher Festigkeit erzielen.

Das vollständige Technologiebarometer,unter anderem mit den prozentualen Anteilen Hamburgs an deutschen Patentanmeldungen und dem monatlichen Blick in die Glaskugel (Welche Technologien bewegen morgen die Welt?), unter www.hk24.de. Weitere Informationen zu den Dienstleistungen des Innovations- und Patent-Centrums, das auch bei der Patentrecherche behilflich ist, unter www.hk24.de/ipc.
Jochen Halfmann
jochen.halfmann@hk24.de
Telefon 36138-505

hamburger wirtschaft, Ausgabe Oktober 2010