Handelskammer Hamburg 2010

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Hafenwirtschaft

Aufschwung Ost

Mit der Verschnaufpause im Hafen ist es vorbei, die Umschlagsvolumina ziehen wieder kräftig an. Richtung Osten ging es mit einigen Verkehren aber auch schon während der Krise aufwärts.
Für den Warentransport nach Mittel- und Osteuropa ist es nicht erforderlich, dass die Container direkt im Hafen sortiert werden. Dies kann ebenso gut auf Terminals im Hinterland erfolgen. Etwa 40 Millionen Euro hat die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) im Jahr 2007 in den Aufbau eines Hinterlandterminals in der kleinen slowakisch-ungarischen Grenzstadt Dunajska Streda investiert. Für das Hamburger Unternehmen ist diese Investition ein logischer Schritt beim systematischen Ausbau seines Hinterlandnetzwerkes in Mittel- und Südosteuropa. Bereits seit 1992 betreibt die HHLA sehr erfolgreich ein so­genanntes Hub-Terminal im tschechischen Prag, das Container, die aus unterschiedlichen Seehäfen dort eintreffen, zunächst sammelt, bevor sie anschließend mit Lkws und Zügen weiterbefördert werden.

Dunajska Streda dient dem Hamburger Hafen als zweites Tor nach Osteuropa und beliefert vor allem die Märkte in Ungarn und der Slowakei. Mit dem Ausbau des Hinterlandterminals reagierte die HHLA auf die steigende Nachfrage nach Containertransporten in die dynamischen Volkswirtschaften Südosteuropas. „Mit spezialisierten Terminals im Hinterland und Shuttlezug-Verbindungen in hoher Frequenz bringen wir den Seehafen näher zum Kunden und zur Industrie“, sagt Dr. Sebastian Jürgens, HHLA-Vorstand für die Segmente Intermodal und Logistik. „Davon profitiert der Hamburger Hafen ebenso wie der Kunde.“

Steigende Umschlagzahlen spiegeln wider, wie dynamisch sich der Hamburger Außenhandel vor allem mit Polen, Tschechien und der Slowakei entwickelt hat – und die Zukunftsprognosen sind gut. Die Volkswirtschaften dieser Länder, allen voran Polens, erholen sich schnell von den Auswirkungen der globalen Krise. Bis zum Jahresende wird der Hamburger Handel mit Polen wahrscheinlich um mehr als ein Drittel zulegen, der Handel mit der Slowakei wird sogar um etwa 45 Prozent anwachsen.
Während der Krise konnte die HHLA ihre Position in Osteuropa mithilfe einer attrak­tiven Preispolitik ausbauen, wodurch der Marktanteil gestiegen ist: Die osteuropäischen Staaten wickeln heute mehr Handel als noch vor der Krise über den Hamburger Hafen ab. Waren es 2007 noch sechs Züge pro Woche, die zwischen der Hansestadt und Dunajska Streda verkehrten, sind es heute bereits 30. „Auf einzelnen Strecken im Hinterlandverkehr des Hamburger Hafens haben wir nach der schweren Wirtschaftskrise im vergangenen Jahr bereits die Rekordmengen von 2008 übertroffen“, so Jürgens. „Diese Dynamik wird sich aus unserer Sicht in den nächsten Jahren fortsetzen, da die Anbindungen attraktiv sind und der Hamburger Hafen mit seiner Nähe zu Osteuropa eine günstige verkehrsgeografische Lage hat.“

Diese Aussicht lockt viele Unternehmen, die vom Hinterlandterminal profitieren möchten, nach Dunajska Streda. Zu den ersten ­Firmen, die sich dort niedergelassen haben, gehört zum Beispiel der Schuhhersteller Deichman. „Wir haben uns für Dunajska Streda als Standort für unser weiteres Distribu­tionszentrum entschieden, weil wir damit ­optimal für die Warendistribution in Südosteuropa und die effiziente Anbindung an die Seehäfen aufgestellt sind“, sagt Karsten Schütt, Geschäftsführer für den Bereich Logistik bei Deichmann. „Dabei ist die Nähe zum Hub-Terminal besonders vorteilhaft.“ Neben kurzen Lieferzeiten und niedrigen Transportkosten ins Hinterland ist insbesondere die Möglichkeit eines flexiblen Zugriffs auf Container und Waren attraktiv – eine wichtige ­Voraussetzung, um auf dem Auslandsmarkt Fuß zu fassen. Auch andere Firmen wissen um die wirtschaftlichen Chancen, die sich ergeben, wenn sie in der Nähe sowohl des Absatzmarktes als auch eines modernen und leistungsfähigen Terminals ansässig sind und ihren Umschlag „vor Ort“ steuern können. Cargo Partner zum Beispiel plant in Dunajska Streda derzeit die Inbetriebnahme eines 30 000 Quadratmeter großen Lagers.
Paul Elsholz
paul.elsholz@hk24.de
Telefon 36138-491

Informationen

Der direkte Weg zu den großen Containerterminals in Hamburg und Bremerhaven führt für die Volkswirtschaften Tschechiens, der Slowakei und Ungarns über die wachstumsstarken Binnenlanddrehscheiben der HHLA-Tochter Metrans in Prag, Zlin und Dunajska Streda. Wöchentlich verkehren über 80 Züge zwischen den Metrans-Terminals mit eigenen Contai­nerwaggons und den deutschen Seehäfen. Darüber hinaus bietet Metrans einen umfassenden Kundenservice, zu dem Lkw-Transporte ebenso gehören wie die Reparatur und die Lagerung von Containern.


hamburger wirtschaft, Ausgabe Dezember 2010