Handelskammer Hamburg 2010

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Infrastruktur

Was halten Sie von Google Street View?

Noch in diesem Jahr will Google seinen Straßenpanoramadienst „Street View“ in Deutschland einführen – und löste damit hitzige Diskussionen aus. Auch von Hamburg wird es bald eine dreidimensionale Rundumsicht im Internet geben. Die hamburger wirtschaft wollte wissen, wie Unternehmer das Angebot bewerten.
„Google Street View sollte sich auf den Straßenblick aus der Mittelperspektive beschränken. Das wäre auch der typische Blick eines Passanten. Das lückenlose Abfilmen von Türen, Vorgärten und Fenstern aus der Parallelperspektive, die automatische Zuordnung zu Personen, Adressen und Firmenprofilen sowie die weltweite Publikation überschreiten alle bisherigen Grenzen der informationellen Selbstbestimmung und lassen jene Zurückhaltung vermissen, die wir von jedem anderen Besucher einer Stadt erwarten würden.“
Mario Bloem (48), Stadtplaner/d-plan Deutsche Planungs- und Beratungsgesellschaft für Stadtentwicklung mbH

„Gerade für unsere Branche ist Google Street View ein interessantes Serviceangebot. Unsere Kunden haben damit die Möglichkeit, sich schnell und unverbindlich ein Bild von einer angebotenen Immobilie und der unmittelbaren Umgebung zu machen. Potenziellen Immobilienverkäufern raten wir daher, auf keinen Fall Widerspruch gegen die Veröffentlichung in Google Street View einzulegen. Ich denke nicht, dass das Persönlichkeitsrecht eines Menschen verletzt wird, wenn im Internet die zur Straße gelegene Fassade seines Wohnhauses abgebildet wird. Die aktuelle Aufregung halte ich für übertrieben und für nicht angebracht in einem globalen, ganzheitlich kommunizierenden Zeitalter.“
Jens-Hendrik Haferkamp (35), Geschäftsführender Gesellschafter Haferkamp Immobilien GmbH

„‚Wasch mich, aber mach mich nicht nass!’ Sehr gern schaue ich mir mit Google Earth Gegenden und Häuser aus völlig unverfänglichen Gründen an. Mit Google Street View würde ich das ebenfalls gern tun. Doch auch mein eigenes Haus dort ausstellen lassen? Sicher, das ist gewöhnungsbedürftig. Aber von meinem Haus kann jeder aktuelle Fotos machen, von der Straße aus ist es sozusagen öffentlich. Und auch ich ‚google’ regelmäßig und profitiere damit vom Angebot des Unternehmens: der digitalen Bereitstellung von Informationen für jedermann. Das läuft bereits seit Langem weltweit und ist wohl unumkehrbar. Meine Meinung: Ich habe nichts zu verbergen und freue mich, dass das Google-Angebot mit Street View bald erweitert wird.“
Carsten Klauer (48), Geschäftsführender Gesellschafter der Power Personen-Objekt-Werkschutz GmbH

„Grundsätzlich bin ich gegen alles, was die Privatsphäre des Menschen auch nur ansatzweise verletzen könnte. Für mich ist das Internet Fluch und Segen zugleich. Als Informationsmedium nicht mehr wegzudenken, und Google Maps zum Beispiel finde ich sehr gut. Aber für mein Empfinden geht man mit Google Street View einen Schritt zu weit. Zumindest solang nicht sichergestellt ist, dass Personen und beispielsweise Autokennzeichen sowie weitere persönliche Merkmale in jedem Fall unkenntlich gemacht werden.“
Brigitte Wirsig (58), Geschäftsführerin Derpart Reisebüro Koch Übersee GmbH

„Hagenbeck steht Google Street View durchaus positiv gegenüber. Die Möglichkeiten sind
neu, einzigartig und zukunftsorientiert. In vielen Ländern hat sich Google Street View bereits etabliert, nur bei uns ist die Skepsis größer als die Neugierde – schade! Ich möchte diesen neuen Dienst auch für unseren Tierpark nutzen. Daher hat sich der Tierpark Hagenbeck bereits an Google Street View beteiligt. Wir freuen uns auf die attraktive Bildstrecke, die unseren Park mit seinen exotischen Tieren zeigt. Besucher sind darauf nicht zu sehen.“
Joachim F. Weinlig-Hagenbeck (54), Geschäftsführer der Tierpark Hagenbeck gGmbH

„Ich bin fest davon überzeugt, dass wir im täglichen Leben von den Möglichkeiten im Internet – sei es zu Hause oder unterwegs – in der Zukunft noch mehr profitieren werden. Und wir sollten sie nutzen und vorantreiben, weil sie unser Leben, sowohl privat als auch geschäftlich, einfacher machen. Aus diesem Grund hat mich die große Diskussion um Google Street View schon sehr überrascht, denn das Angebot ist in anderen Ländern wie zum Beispiel Großbritannien sehr akzeptiert. Trotzdem sollte natürlich jeder die Möglichkeit haben, zu bestimmen, was mit seinem Bild im Internet passiert.“
Lutz Schüler (42), CEO von Hansenet 

Die veröffentlichten Aussagen sind privater Natur und ihre Auswahl Ergebnis einer nicht-repräsentativen Umfrage.
hamburger wirtschaft, Ausgabe Oktober 2010