Handelskammer Hamburg 2010

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Interview: Jochen Ziegler

Mit gutem Beispiel voran

Die Zeitarbeitsbranche hat nicht den besten Ruf. Die Atrias Personalmanagement GmbH will das ändern, indem sie als Vorbild dient. Die hamburger wirtschaft sprach mit Geschäftsführer Jochen Ziegler über Humor, Visionen und Mitarbeiter im Mittelpunkt.
hamburger wirtschaft: Wie oft haben Sie heute bei der Arbeit schon gelacht?

Jochen Ziegler:
Oft, aber nicht so oft wie sonst, weil viele Kollegen heute im wohlverdienten Urlaub sind. Aber Lachen gehört bei uns zur Unternehmenskultur.

hw:
Das beruhigt mich, denn schließlich versprechen Sie Ihren Mitarbeitern Spaß an der Arbeit und viel Humor im Alltag…

Ziegler:
Wir haben hier viel Spaß, und somit geht die Arbeit auch leichter von der Hand. Trotz der familiären und fröhlichen Unternehmenskultur stellen wir tagtäglich auch den wirtschaftlichen Erfolg sicher.

hw:
Warum werben Sie für Ihr Unternehmen damit, die Mitarbeiter in den Mittelpunkt zu stellen?

Ziegler:
Im Gegensatz zu anderen Unternehmen überlassen wir unsere Service­Mitarbeiter ja anderen Firmen. Deshalb ist es wichtig, dass diese sich bei uns gut aufgehoben fühlen. Dafür tun wir viel, wir kümmern uns: vom gemeinsamen Tannenbaumschlagen mit der Familie bis hin zu übertariflichen Gehältern und Altersvorsorge. Und die Mitarbeiter honorieren das, indem sie uns die Treue halten und gern für Atrias arbeiten. Unsere Fluktuation ist gering. 94 Prozent unserer Mitarbeiter empfehlen uns weiter, und 62 Prozent wollen mit Atrias sogar in Rente gehen. Für Zeitarbeitsunternehmen ein einzigartiges Ergebnis, bei einem Durchschnittsalter von 40 Jahren.

hw:
Sie wollen für Ihre gesamte Branche Vorbild sein. Ist das erforderlich? Braucht die Branche Vorbilder?

Ziegler:
Leider prägen schlechte Beispiele das Image der ganzen Branche. Insgesamt leisten aber viele der 15 000 Zeitarbeitsunternehmen in Deutschland ordentliche Arbeit. Wirklich in Verruf kommen nur die, die dem Wettbewerbs- und Kostendruck nachgeben und jeden Mist mitmachen. Da passiert dann manches, was nicht in Ordnung ist – leider! Wir verhalten uns vorbildlich und würden uns auch über schärfere Kontrollen freuen und über eine Anpassung der Gehälter zur Stammbelegschaft, sprich Equal Pay.

hw:
Das Imageproblem der Zeitarbeit besteht also nicht zu Unrecht?

Ziegler:
Sagen wir so: Es gibt viele weiße, aber auch einige wenige schwarze Schafe. Übrigens: Wir sind, bleibt man in diesem Bild, ein besonders weißes Schaf, denn unser Anspruch ist höher. In einer unserer Werbekampagnen heißt es zum Beispiel ‚Sie haben etwas Besseres verdient‘, und das zielt natürlich auf unsere Konkurrenten. Deren Mitarbeiter sollen vergleichen, feststellen, dass wir besser bezahlen und betreuen, und zu uns kommen.

hw:
Ihre Firma ist enorm gewachsen, auf 14 Niederlassungen und von einst 140 auf heute 1350 Mitarbeiter. Dennoch legen Sie Wert darauf, dass Ihr Unternehmen mittelständisch und familiär geführt wird. Wollen Sie noch größer werden?

Ziegler:
Wachstum ist nicht alles für uns. Wir haben nicht den Wunsch, Marktführer zu werden! Atrias soll wachsen, muss aber nicht. Und wenn wir wachsen, dann selbst finanziert. Jede neue Niederlassung bedeutet ja auch eine Investition von rund 100 000 Euro. Entscheidend ist, das jeweils richtige Personal zu finden. Und dass überall bei Atrias, in allen Niederlassungen, unsere Unternehmenskultur gelebt wird.

hw:
Offenbar haben Sie damit Erfolg. Atrias Personalmanagement ist nicht nur nach DIN ISO 9001:2008 zertifiziert und Träger des Familiensiegels, sondern wurde auch als einer der besten Arbeitgeber in Deutschland, ja sogar in Europa ausgezeichnet…

Ziegler:
…und das macht uns alle natürlich sehr, sehr stolz, weil wir das als Team erreicht haben. Und weil es zeigt, dass wir unsere Strategie erfolgreich umsetzen konnten: betriebswirtschaftlich erfolgreich sein, dabei aber vorbildlich im Umgang mit unseren Mitarbeitern. Aber: Wir überlegen schon jetzt, wie wir noch besser werden können. (lacht) Wir haben doch nur Platz 5 in Deutschland und 22 in Europa erreicht.

hw:
Die zurückliegende Krise traf vielerorts die Zeitarbeiter zuerst. Gab es auch bei Ihnen Einbrüche?

Ziegler:
Ja, natürlich! Wenn die Stammbelegschaft eines Unternehmens in Kurzarbeit geht, kann das an Zeitarbeitskräften nicht spurlos vorübergehen. Wir haben aber auch die Chancen genutzt, zum Beispiel in Form von Personalentwicklungsgesprächen oder durch die Weiterbildung unserer Mitarbeiter.

hw:
Ist das Tal durchschritten?

Ziegler:
Die Krise ist für uns eigentlich abgehakt. Wir sind definitiv optimistisch, auch wenn es regional noch große Unterschiede gibt und einige Unternehmen noch vorsichtig agieren.

hw:
Ihr Unternehmen wurde 2004 in Dresden gegründet, Anfang 2008 verlegten Sie den Hauptsitz nach Hamburg – warum?

Ziegler:
Kontakte nach Hamburg existierten schon, der Markt hier war interessant – und Hamburg als Lebensumfeld bekamen wir dazu. Hamburg als Stadt ist sehr attraktiv, dazu müssen Sie hier am Gänsemarkt nur aus einem unserer Fenster gucken.

hw:
Warum zeigt Ihr Firmenlogo eigentlich einen Kiwi?

Ziegler:
Das hat keinen tieferen Grund. Bei der Entwicklung des Logos dachten wir über verschiedene Früchte nach. Und von der Kiwi kamen wir auf den Kiwi, den gleichnamigen Vogel. Und unseren Sympathieträger finden mittlerweile alle toll. Inzwischen hat er sogar einen Namen bekommen: Tippo.

Wolfgang Ehemann
wolfgang.ehemann@hk24.de
Telefon 36138-305

Zur Person


Jochen Ziegler (46) ist gelernter Hotelfachmann und begann seine berufliche Karriere in einem Fünf-Sterne-Hotel seiner Heimatstadt Karlsruhe. In England stieg er rasch zum Hoteldirektor auf. Im Auftrag einer amerikanischen Kette kam er nach Deutschland zurück und eröffnete mehrere Hotels. Zuletzt leitete Ziegler ein Haus in Pforzheim. Für seine schulpflichtigen Kinder gab er seine Hotelkarriere auf und rekrutierte in München für die Deutsche BA das Kabinenpersonal. Vier Jahre später kam er nach Hamburg zur Deutschen Bahn, wo er für die „rollenden Mitarbeiter“ (Zugbegleiter und Gastronomie) aus vier Bundesländern verantwortlich war. Zusammen mit Sven Schröder übernahm er Anfang 2008 die Atrias Personalmanagement GmbH. Ziegler ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne.

hamburger wirtschaft, Ausgabe Oktober 2010