Handelskammer Hamburg 2010

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Gesellschaft

Alterndes Hamburg

Unsere Stadt wird älter und bunter. Damit wird die Vielfalt der Mitarbeiter ein immer wichtigerer Wirtschaftsfaktor. Hamburgs Unternehmen reagieren darauf mit einer neuen Personalpolitik.
Die Wirtschaft hat sich offenbar endgültig vom Jugendwahn verabschiedet. Lange galt es als selbstverständlich, dass sich die Mitarbeiter mit Anfang 60 aus dem Betrieb verabschiedeten. Viele Unternehmer haben ihre Beschäftigten darin noch bestärkt, was ihnen dank der politisch geförderten Frühverrentung auch leicht gemacht wurde. Inzwischen versuchen viele Betriebe, die älteren Mitarbeiter länger zu halten.

„Viele unserer älteren Kunden lassen sich an der Käse- oder an der Fleischtheke besonders gern von älteren Menschen bedienen“, beobachtet Bernd Enge, Geschäftsführer der Niemerszein & Co. KG: „Wir sind deshalb sehr froh darüber, dass wir unsere älteren Mitarbeiter nie in die Frührente gedrängt haben.“ Enge hat immer für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen jüngeren und älteren Mitarbeitern gesorgt, „denn die Mitarbeiterschaft sollte ein Spiegelbild der Gesellschaft sein“.

Dem pflichtet auch Rainer Inzelmann, Geschäftsführender Gesellschafter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Schomerus und Partner, bei: „Für jedes Unternehmen sind ältere Mitarbeiter ein wertvolles Gut, denn sie verfügen über einen breiten Erfahrungsschatz. Viele unserer Mandanten schätzen die langjährige Zusammenarbeit mit unseren Beratern sehr.“ In einem Umfeld, das sich immer schneller verändere, müssten jedoch alle Mitarbeiter fachlich stets auf der Höhe der Zeit sein, so Inzelmann weiter. „Für die älteren Mitarbeiter kommt es zudem darauf an, dass sie sich Initiative und Dynamik bewahren.“ Schomerus bietet seinen Mitarbeitern daher ein breit angelegtes Weiterbildungsangebot.

Mit ihrer Personalpolitik reagieren die Unternehmen auf den demografischen Wandel. Hamburg wird zwar zunächst eine wachsende Stadt bleiben, aber auch hier wird der Anteil der Älteren deutlich ansteigen. Lag der Anteil der über 50-jährigen Erwerbstätigen vor wenigen Jahren noch bei 26 Prozent, so wird er bis 2020 auf ein Drittel ansteigen.

Personalverantwortlichen, die herausfinden wollen, wie sich der demografische Wandel auf ihr Unternehmen auswirkt, bietet die Handelskammer den Demografie-Rechner an. Auf der Basis der Kennziffern des Betriebes ermittelt das Online-Tool, wie viele Neuzugänge erforderlich sind, um die Mitarbeiterzahl langfristig konstant zu halten und eine ausgewogene Altersstruktur zu erreichen.

Was für ältere Mitarbeiter gilt, trifft auch auf Migranten zu. Sie bringen Erfahrungen mit, die andere nicht haben. Viele Firmen suchen daher gezielt nach Mitarbeitern mit Migrationshintergrund. Manche nennen das „Diversity Management“, andere praktizieren es einfach – aus Überzeugung und zum Nutzen des Unternehmens.
Heiner Schote
heiner.schote@hk24.de
Telefon 36138-275

Internet


Informationen unter www.hk24.de/vielfalt. Den Demografie-Rechner finden Sie unter www.hk24.de/demografie.

hamburger wirtschaft, Ausgabe Oktober 2010