Handelskammer Hamburg 2010

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Green Capital

Der Countdown läuft

Hamburg ist Hauptstadt – zumindest für ein Jahr. Die Auszeichnung als „Umwelthauptstadt Europas 2011“ bietet auch Chancen für unsere Wirtschaft.
Bürgermeister Christoph Ahlhaus und Umweltsenatorin Anja Hajduk gaben kürzlich den offiziellen Startschuss, an den Vorbereitungen gearbeitet wird aber schon seit über einem Jahr – von einem achtköpfigen Team: Hamburg ist im nächsten Jahr Umwelthauptstadt Europas und hat sich viel vorgenommen. Hauptherausforderung: Die von der EU-Kommission geforderte Vorbildrolle ausfüllen und das Hamburger Engagement „nach Europa ­tragen“, dabei aber auch möglichst viele ­Hamburger „mitnehmen“.

Zum Hintergrund: Um gesetzliche Vor­gaben im Klima- und Umweltbereich durch ein Anreizsystem zu ergänzen, hat die Euro­päische Kommission den Wettbewerb zur Umwelthauptstadt ins Leben gerufen. Seit diesem Jahr wird der Titel alljährlich verliehen. Der jeweilige Preisträger muss dauerhaft hohe Umweltstandards unter Beweis gestellt und sich anspruchsvolle Ziele für die Zukunft gesetzt haben. Er sollte zudem in der Lage sein, seine Erfahrungen anderen europäischen Städten zu vermitteln. Denn 80 Prozent der europäischen Bevölkerung leben in einer städtischen Umwelt. Den Städten kommt damit eine Schlüsselrolle in puncto Nachhaltigkeit zu.

Die ersten Preisträger wurden im Februar 2009 nach einem zweistufigen Auswahlverfahren von einer Expertenjury unter Vorsitz der Europäischen Kommission gekürt. Zehn Kriterien spielten eine besondere Rolle: Der Beitrag zum globalen Klimawandel, das Verkehrswesen, die Verfügbarkeit öffentlicher Grünflächen, Luftqualität, Lärmbelastung, Abfallerzeugung und -bewirtschaftung, Wasserverbrauch, Abwasserbehandlung, das Umweltmanagement der Behörden und die nachhaltige Flächennutzung. Für dieses Jahr wurde Stockholm ausgezeichnet, Hamburg für 2011, wobei Hamburg von allen Bewerbern die höchste Punktzahl erzielt hatte. Ausschlaggebend für diesen Sieg: eine durchgängig gute Bewertung bei allen zehn Indikatoren, ehrgeizige Ziele für die Zukunft, ein sehr gut funktionierender Nahverkehr und eine besonders gelungene Verbindung von Ökonomie und Ökologie. Die Begründung in zwei Sätzen: „Hamburg hat in den vergangenen Jahren und in der Gegenwart große Leistungen erbracht und auf der ganzen Bandbreite exzellente Umweltstandards erreicht. Die Stadt hat sehr ehrgeizige Pläne für die Zukunft, die zusätzliche Verbesserungen versprechen.“

Fester Bestandteil der geplanten Aktionen ist ein „Info-Pavillon“ am Hauptbahnhof. Er wird ergänzt um dezentrale „Info-Points“, zum Beispiel auf dem IBA-Gelände in Wilhelmsburg. Auch „Umwelttouren“ zu herausragenden Projekten werden durchgeführt, zudem wird ein „Zug der Ideen“ Seecontainer mit Ausstellungsmodulen zu verschiedenen Themen in 17 europäische Städte bringen. Der Zug soll Hamburg mit seinen Umweltprojekten präsentieren, gleichzeitig aber auch Ideen vor Ort aufgreifen und mit zurück an die Elbe bringen. Und es wird eine ganze Reihe weiterer Veranstaltungen zu den Themen Umwelt, Klima und Energie geben, zum Beispiel den Umweltwirtschaftsgipfel 2011 und den In­ternationalen Umweltrechtstag. Insgesamt werden vom Senat für die geplanten Aktionen 11 Millionen Euro an Kosten kalkuliert, davon 8,5 Millionen Euro für Sachmittel.

Neben dem Profit für Klima und Umwelt sehen viele Unternehmen in der Auszeichnung vor allem Chancen für das internationale Marketing der Stadt. Nicht zuletzt deswegen engagiert sich Thomas Voigt, Direktor Wirtschaftspolitik und Kommunikation der Otto Gruppe und Vorsitzender des Handelskammer-Arbeitskreises Kommunikation, und berät mit anderen Kommunikationsexperten den Senat: „Mit der Auszeichnung als Umwelthauptstadt Europas hat Hamburg die große Chance, zu zeigen, dass es mehr ist als die graue Hafenstadt Hamburg, nämlich eine lebenswerte Metropole mit einem Welthafen. Das macht unsere Stadt attraktiv für junge, kreative Köpfe, deren Ansprache bisher selbst durch ein Unternehmen wie die Otto Group schwierig ist.“

Andere Unternehmer befürchten jedoch auch, der Hamburger Senat könnte für die Umwelthauptstadt wirtschaftsschädliche Projekte vorantreiben. Zum Beispiel die Einführung einer Umweltzone, ein aus Sicht der Handelskammer völlig unnötiges Vorhaben, gibt es in der Stadt doch genügend Projekte, die sowohl Umwelt als auch Wirtschaft nutzen: Immer mehr Unternehmen arbeiten in den Bereichen Erneuerbare Energien und Umwelttechnik, und auch die Zahl der Firmen mit betrieblichen Umweltschutzmaßnahmen und Umweltmanagementsystemen steigt kontinuierlich. Außerdem gehen zahlreiche Betriebe freiwillige Selbstverpflichtungen ein oder engagieren sich in Institutionen wie der Umweltpartnerschaft Hamburg.

Die Handelskammer hat daher als ersten Beitrag zum „Green Capital“-Jahr eine ­Broschüre mit 14 Beispielen besonders ­er­folgreichen Umwelt- und Klimaschutzes in Unternehmen vorgestellt. Sie soll zur Nachahmung motivieren.

Zu Hamburgs Auszeichnung als „Green ­Capital“ haben viele Akteure beigetragen. ­Deren Schulterschluss ist auch für die Zukunft gefragt. Denn nur wenn alle – Staat, Wirtschaft und Gesellschaft – an einem Strang ziehen, kann Hamburg dauerhaft das bleiben, was es im nächsten Jahr ist: die Umwelthauptstadt Europas.
Tobias Knahl
tobias.knahl@hk24.de
Telefon 36138-267

Informationen


Das Umwelthauptstadt-Jahr 2011 bietet Unternehmen prinzipiell drei Beteili­gungsmöglichkeiten: Einerseits können die vom Senat geplanten Aktivitäten mit Finanz- oder Sachleistungen als Sponsor unterstützt werden. Andererseits empfiehlt sich eine Mitgliedschaft in der Umweltpart­nerschaft Hamburg, denn alle Mitglieds­unternehmen, die mindestens drei anerkannte freiwillige Umweltleistungen erbracht haben, können unter dem Dach der Umweltpartnerschaft die Verwendung des „Green Capital Logo“ beantragen. Darü­ber hinaus kann sich jeder mit eigenständigen Projekten und Aktivi­tä­ten beteiligen, zum Beispiel im Bereich der geplanten Umwelttouren. Mehr zum Thema Umwelthauptstadt und zu den Betei­ligungsmöglichkeiten für Unterneh­men unter www.hk24.de und www.umwelthauptstadt.hamburg.de

hamburger wirtschaft, Ausgabe Dezember 2010